Auch wir hatten das Ankündigungsvideo geposted in unserem Blog – nun haben wir ein Dementi dazu gefunden. Fakt ist jetzt: Nicht nur politische Hinterbänkler, auch Hacker können manchmal die Füße nicht stillhalten. Der großspurig angekündigte Facebook-Angriff sei ein Fake, sagen Anonymous-Mitglieder.
Sheldon verdreht die Augen. „So ein Schwachsinn“. Die Anonymous -Aktivistin schlürft ihren Latte Macchiato. Vor dem Café am Berliner Alexanderplatz pfeift der Wind. Die Temperaturen: herbstlich. „Ist grad Sommerloch?“, scherzt die junge Frau und streicht sich das Haar aus dem Gesicht. Der Aufruf, das Soziale Netzwerk Facebook zu zerstören, sei eine „wahnsinnig dumme Aktion einiger weniger Idioten“, schimpft sie. Die hätten sich wohl nicht überlegt, kritisiert die Internetaktivistin, „wie das eigentlich gehen soll.“ Hacker hatten im Namen von Anonymous dazu aufgerufen, das Online-Netzwerk zu attackieren. Facebook gebe Informationen an Polizei und Unternehmen weiter, so die Begründung. Im für die Aktion eingerichteten Kommunikationskanal hieß es: „Facebook teilt mit allen Informationen, die das Geld haben, sie sich zu kaufen“. Deshalb müsse das Netzwerk am fünften November zerstört werden.

Unternehmen und Regierungen im Visier

Das Datum ist ein Stichtag für das Internetkollektiv. An diesem Tag des Jahres 1605 scheiterte der Anschlag des Freiheitskämpfers Guy Fawkes auf das englische Parlament in London. Die Maske des gleichnamigen Kämpfers aus dem Kinofilm „V wie Vendetta“, der von dem Kampf gegen eine Diktatur erzählt, wurde zum Markenzeichen der Web-Piraten: Hinter ihr verbergen die Hacker ihr Gesicht.

Das angebliche Drohvideo

Anonymous, deren Splittergruppe LulzSec oder auch die No Name Crew, deren Mitglieder offenbar ebenfalls aus dem Kreis der Anonymen stammen, lernen seit Monaten Sicherheitsbehörden, Unternehmen und Regierungen das Fürchten. Jüngst hatten sich Mitglieder der No Name Crew Zugang zu den Servern von Bundespolizei und Zoll verschafft. In der Nacht zu Montag knackten Anonymous-Aktivisten die Webseite der syrischen Regierung und platzierten dort einen eigenen Text. In englischer und arabischer Sprache taten sie kund, die Welt unterstütze die Rebellen in ihrem Kampf gegen das „brutale Regime von Bashar Al Assad“.Einflussreichste Hacker-Gruppe der Welt

Spaß-Guerilla oder politische Bewegung? Diese Frage hat Anonymous noch nicht beantwortet – und will es auch nicht. Das weltweit aktive Netzwerk zieht einen großen Teil seiner Macht eben daraus, dass es heterogen ist: Zu ihm gehören die technisch versierten Hacker, die die großen Aktionen durchführen ebenso wie jene Mitglieder, denen es reicht, sich mit ihrem PC in das Netz von Rechnern einzuklinken, über die Angriffe auf Webseiten laufen.

Es ist diese Heterogenität und dezentrale Organisation, die das Kollektiv so wandlungsfähig und unangreifbar macht, konstatierte auch die Nato in ihrem jüngsten Sicherheitsbericht. Deshalb sei Anonymous die „einflussreichste Hacker-Gruppe“ der Welt. Aber Facebook zerstören? Auf das weltweit mehr als 700 Millionen Nutzer zugreifen, das ganze Server-Farmen und einen immensen Sicherheitsaufwand betreibt?

„Wieso nicht gleich Google?“

„Größenwahn und Drogen“, vermutet der Hamburger Hacker mit dem Pseudonym Wopot. Seine Kollegin Alainn befindet: „Eine so aussichtslose Aktion auch noch im Vorfeld breitzutreten? Das wird nichts.“ „Aufmerksamkeitshuren“, befindet Rheinländer. Der Hacker Arash meldet sich via Mail aus dem Iran und lästert: „Warum Facebook? Wieso nicht gleich Google?“

Die von den Initiatoren diskutierten Waffen könnten bei Facebook nicht angewandt werden. „Wie soll man mit einem Denial-of-Service-Angriff eine Webseite lahm legen, auf das täglich mehrere Millionen Nutzer zugreifen?“, meint der Hamburger Liekmudkip. Facebook Applikationen klonen oder Freundschaftslisten hacken, seien auch „dumme Ideen“, pflichtet ihm sein Kollege Wopot zu. Es bliebe eigentlich nur ein Angriff auf die Serverbetriebssysteme, überlegt Liekmudkip, oder das Einschleusen einer Schadsoftware in eine der Applikationen. Aber all das sei schwierig zu sagen, so die Web-Piraten, schließlich habe man sich deren System „noch nicht aus der Nähe angesehen“.

Von Sicherheitslöchern bei Sony überrascht

Prinzipiell sei natürlich alles möglich, meint Liekmudkip. „Das ist immerhin eine amerikanische Seite, da kann man auch schon mal von Sicherheitslöchern überrascht werden.“ Und der Unterhaltungsriese Sony, dessen Website Anonymous Mitte April angriff, sah schließlich von außen auch sicher und mächtig aus. Erst später habe sich gezeigt, was das für ein „müder Haufen“ ist.Bislang allerdings sei keine Operation gegen Facebook geplant. Anonymous-Sprecher Gregg Housh stellt klar: „´Operation Facebook´ ist ein Fake.“

 Quelle :

http://www.focus.de/digital/internet/facebook/hacker-angriff-anonymous-weiss-nichts-von-angriff-auf-facebook_aid_654665.html