Wir vom Freizeitcafe haben uns wieder einmal Gedanken gemacht um das, was um uns herum geschieht. Eine bunte Vielfalt von Zitaten zum aktuellen Gebahren des Riesen wie “ Das ewige Gedächtnis“(WAZ), „Facebook greift nach dem ganzen Leben“ & „Die Welt ist nicht genug“(Frankfurter Rundschau) springen uns förmlich aus allen Zeitungen heraus an. Ist unser Gehirn dem ganzen eigentlich noch gewachsen? Und ist unser natürlicher Instinkt durch diese Maschinerie getrübt? Wir sagen JA!

In einem Gespräch mit einem Freund fiel vor kurzem folgender Satz…

„Zudem muss ich auch keine 200 Internetfreundschaften pflegen, die mir zwar auf Facebook kurz nach 0:00 Uhr zum Geburtstag gratulieren, aber in der S-Bahn nicht Hallo sagen können.“

Genau deshalb wollen wir dieses Geschehen um uns herum noch einmal aufgreifen – über die Änderungen, Timeslines uvm. hatten wir ja bereits berichtet in unserem Blog. Nun schürfen wir etwas tiefer für Euch…

Der große Voltaire gab uns damals schon folgendes Social Media Zitat mit : „Nichts ist gefährlicher in der Welt als Größe.“

Zu Beginn der Entwicklerkonferenz des großen F konnte man genau dies ausmachen – ein Comedian war bestellt worden : Jener zog im Vorfeld eine Show ab und witzelte um und mit Mark Zuckerberg. Belustigung als Zeichen und Vorbereiter der Düsterniss?

Dass M.Z. kurz danach einen unumkehrbaren Schritt in die Post-Privacy-Ära machen sollte, konnte ja keiner ahnen. Es wirkt alles wie eine große Momentaufnahme – mir kommt da das Bild eines Fürstenhofes in den Sinn; wo sich ein absolutistischer Herrscher als Ventil eines Hofnarren bediente…

Es geht um Macht, Strukturen – absolute Weltherrschaft. Nichts weniger. Unser ganzes Leben in einer Timeline – eine virtuelle Matrix der sich am besten kein Mensch da draußen mehr entziehen kann oder soll. Einfacher noch : Automatisierter Austausch! Wenn Du gerade noch einen Artikel auf der Bunten gelesen hast- wissen das jetzt auch Deine Freunde; oder noch besser deren Freunde, die mich noch garnicht kennen. Tun sie jetzt aber – so entstehen Vorurteile!

So ist das halt, wenn die genehmigten Apps alles fressen dürfen : Deine Beschreibung, Deine likes, die Interessen Deiner Freundesfreude-all das muss akzeptiert sein um einen neue App (sei es auch nur die Glücksnuss) zu nutzen. Glück ist doch eigentlich auch, wenn man einmal Ruhe hat, in sich gehen kann – und nicht wenn jeder und jede App alles zu jeder Zeit über Dich weiss – oder bin ich da schief gewickelt?

In den Original Social Media Zitaten von M.Z. heisst die schöne Beschreibung dazu “ Frictionless-Sharing.“ Na klar-man muss ja zustimmen – irgendwo, irgendwie, irgendwann in einem Zirkus oder noch besser einem „Einstellungs-Nirvana.“

Da frag ich mich doch, wann wir uns im Nirvana wiedersehen? Will ich überhaupt schon ins Nirvana?

Sind diese Aussagen Fortschritts-feindlich, oder hat man wirklich noch Rechte diesen dort vorherrschenden Voyeurismus beurteilen zu dürfen und dass ich aus vollem Herzen sagen kann : „Nein danke – ich stehe nicht auf Stalker.“?

Düster – ganz düster wird es dann, wenn Menschen als „Marketing-Zweck“ missbraucht werden, um die ganze Show noch besser zu verkaufen in den ohnehin schon manipulierten Köpfen der zuschauenden Herde.

Am besten schon kopflos zur Schlachtbank geführ wird man nämlich, wenn man es gutheisst, dass da ein Jeff Jarvis ins Feld geführt wird. Jeff Jarvis ist schwer erkrankt – er ist populär geworden daruch, dass er seine Erkrankung in Form von „Selbstmordgedanken“ öffentlich im Netzwerk ausbreitete.

Ist das Ziel also vom fb eine „Zwangsläufigkeit“ zu erreichen?  So, dass morgen vielleicht schon ein jeder Selbstmord vom heimischen Netzewerk aus eingesehen und dokumentiert werden kann? Wie weit geht dieser Voyeurismus auch im Bezug auf Todesängste eigentlich noch?

Ich will überhaupt nicht wissen, wie viele Likes dieser Herr bekommen hat – viel schlimmer noch : Alle klatschen!

Aufgrund der Mitgliederzahlen-jeder 4te Deutsche oder noch mehr mittlerweile sind drin- ist der Point of no Return längst überschritten. Dazu kommt noch, dass ein organisiertes Leben ohne die herabscheinende Sonne von Zuckerberg nicht mehr möglich ist-viele fühlen sich jetzt schon „ausgegrenzt“, wenn sie nicht mindestens eine Stunde dort online waren…ist ja auch kein Wunder : Sogar in meiner vorliegenden Tageszeitung, in jeder Nachrichtensendung wartet das mahnende f auf mich!

Vom Cookie verfolgt, die Kontrolle über den Open-Graph-Datenstrom meinerseits längst eingeräumt. Meine Transparenz ist eine Einbahnstraße – gegenüber dem großen f bin ich völlig transparent; mich erwartet umgekehrt aber nur ein milchiges Glas .

Tausend Änderungen, ständige Neuerungen der AGB´s, jetzt Timeslines hinzu – machen das Bild in meinem Milchglas jetzt noch trüber. Mein Datenschatten wird länger! Wissentlich, unwissentlich, bruchstückchenhaft – ich kann es kaum noch selbst einschätzen.

Viele andere auch nicht mehr. Die Masche des trüben Milchglases ist perfekt. Wenn man sich dagegen entscheidet, ist dies keine strenge rationale Entscheidung mehr. Sie ist emotional – mit einem Bauchgefühl beladen. Ist es nicht so, dass man sich eigentlich nur in einem Netzwerk wohlfühlt – ja ist es nicht der grundlegende Wert eigentlich- dass man sich deshalb dort anmeldet?  Der Wert, von dem ich spreche ist Vertrauen. Ich habe keines mehr! Und hey – jetzt mal ehrlich : Google + ist doch mit seinen „Circles“ auch nur eine Wahl zwischen Syclla und Charybdis -oder?

„Timeline“ oder „Circles“ also als finales Monument… ich hätte lieber mein eigenes Leben für mich, meine Familie und Freunde in der realen Welt als finales Monument hinterlegt. In den Köpfen – in den Herzen – in der Erinnerung für immer gespeichert; und nicht in dieser verdammten virtuellen Timeline!

Macht Euch einmal Gedanken dazu … wir vom Freizeitcafe wünschen Euch einen wunderschönen sonnigen Donnerstag!