Wenn ich mal fliege, bin ich ein Mensch der Ruhe haben will. Ich will mich entspannt in den Sitz zurücklehnen, vielleicht weiter oben etwas Musik hören. Vorher will ich das Gefühl des Abhebens spüren, den Moment er-leben wenn das Fahrwerk ein- und ausgefahren wird. Auch ein wenig die Angst & das kribbeln spüren, dass man nun ja eigentlich seinem Schicksal nur noch ausgeliefert ist- weil man sein Leben in die Hände eines (meist persönlich unbekannten) Piloten entlässt.

Da der größte Teil doch eher selten fliegt, ist doch genau das alles ein meist phänomenales Erlebnis für alle Sinne – braucht man da noch Facebook obendrauf?

Nun denn- viele sehen das vielleicht anders. Sie haben Flugangst, wollen erst garnicht den Vogel der Lüfte besteigen- oder müssen sich irgendwie ablenken. Für diejenigen ist das Novum, welches ich Euch jetzt gleich vorstelle, sicher etwas was „ablenkt.“ Die Rede ist vom „Social-Seating“:

Nach Malaysia Airlines , Air Baltic und KLM springt jetzt auch Finnair auf diesen „sozialen Zug“ auf- sprich: Jeder, der sich online eingecheckt hat, kann im gleichen Zug eine Verknüpfung zu seinem ganz persönlichen Facebook-Profil herstellen. Informationen wie das Profilfoto und alles weitere werden dann einge-sogen und in der Flugabteil-Übersicht für alle anderen Flug-Gäste sichtbar ver-ewigt.

Ganz nach dem Motto: Hallo hier bin ich – die Nebelkrähe, der 160kg Mann, der pubertierende mit der fettigen Haarpracht…- interessier Dich für mich; weil ich auch in der Luft nicht ab-schalten kann!

All diese Informationen über seine „Flug-Nachbarn“ kann man sich nun also genüßlich via Smartphone reinschrauben. Finnair meint, dass Flugreisen auf diese Weise sozialer werden & dass sich dadurch schneller Freundschaften entwickeln. Selbstverständlich haben Sie dazu auch ein Imagevideo veröffentlicht:

Mein Fazit: Schön, dass sich die Fluglinien immer etwas technisches, innovatives und neues einfallen lassen. Im Realgebrauch finde ich diese Ideen aber ziemlich stupide. Klar- es kann mal vorkommen, dass man aus Zufall direkt neben dem Prinz von Zamunda sitzt & sich unendlich verliebt. Aber im Regelfall ist es doch wirklich so, dass niemand aufgrund irgendwelcher Online-Profile durch die Flugzeugreihen von Gang zu Gang stolpert um neue Freunde zu finden, oder?

Ich für meinen Teil schaue mir lieber die Wolken an & nehme teil an der atemberaubenden Aussicht auf die Miniatur-Städte, Küsten & Meere- die dann bei der Landung zu Ihrer vollen Größe reifen. Wer in diesem Augenblick des Lebens lieber auf sein Smartphone schaut & dabei nach neuen Flugzeug-Innenraum-Freunden giert, kann mir nur noch leid tun! Facebook über den Wolken? Nein Danke! Was sagt Ihr dazu?