Ein Bild von einem Maserati und eine unwahre Angabe zur Besitzerin auf einer chinesischen Mikroblogging-Seite haben eine „Suchmaschine nach Menschenfleisch“ entfesselt.
Guo Meimei gab auf der Mirkoblogging-Seite „Sina Weibo“ mit ihrem Maserati an – und dass sie beim Roten Kreuz arbeite. Die Online-Gemeinde witterte einen Spenden-Skandal. Guo Meimei ahnt nicht, welchen Sturm sie im Internet auslösen wird, als sie sich mit ihrem Geburtstagsgeschenk brüstet. Die bildhübsche 20-Jährige hat einen 2,3 Millionen Yuan (250.000 Euro) teuren weißen Maserati erhalten. Sie gibt virtuell damit an.

Er passe zu ihrem orangefarbenen Lamborghini. Über den Mikroblog-Dienst „Sina Weibo“,wo sie an ihren Namen noch ein „Baby“ anhängt, verschickt sie Fotos. Eines zeigt sie vor ihrem neuen Sportwagen mit der Hand auf der Motorhaube. Das verschafft ihr online den Spitznamen „Maserati-Girl“.Mit ihren Luxuswagen wäre Guo in einem Land, wo viele mit ihrem Reichtum protzen, nicht weiter aufgefallen. Doch sie gibt sich als Geschäftsführerin der Businessgruppe des Chinesischen Roten Kreuzes zu erkennen. Das reizt andere Blogger, die sofort einen Spendengeldskandal wittern.
Guos Einträge in der Mikroblog-Seite werden am 21. Juni zum Auslöser für Chinas größte virtuelle Nachforschungskampagne, seitdem es das Internet gibt. Hämisch karikieren Pekinger Zeitungen, wer dabei den schlimmsten Kollateralschaden erleidet. Sie zeichnen einen Zusammenstoß von Maserati und Chinas Rotem Kreuz. Die größte karitative Organisation des Landes, die unabhängig vom Internationalen Roten Kreuz ist, schlittert in eine tiefe Ansehenskrise.

Blogger Jiang Pengyong ist der Erste, der die Online-Gemeinde aufforderte, nach allen verfügbaren Informationen über Guo Meimei zu fahnden. Für die virtuelle Massensuche gibt es in China den menschenverachtenden Begriff des „Renrou Shousuo“ (Suchmaschine nach Menschenfleisch).

Die Internetfahnder ermitteln, woher Guo Meimei kommt (Hunan), wie sie sich zuerst als Schauspielerin und Model für Autowerbung durchschlug, wie sie sich kosmetisch verschönern ließ, mit wem sie liiert ist.

Die selbst ernannten Hobbydetektive schalten täglich im Durchschnitt fast eine Viertel Million Suchanfragen, schreibt das Wochenmagazin „Caixin“. Es erschien jetzt mit der Schlagzeile „Vertrauenskrise um das Rote Kreuz“.

Der staatstragende Dachverband, dem in 31 Provinzen 95.000 Unterorganisationen und Heerscharen von Freiwilligen angehören, ging schon am 22. Juni in die Offensive. Er bestritt, eine Businessabteilung zu besitzen, er hätte auch noch niemals etwas von Guo Meimei gehört.

Auch die 20-Jährige gab daraufhin zu, dass sie ihren Geschäftsführerjob beim Roten Kreuz erfunden habe. Kaum eine Woche später aber muss der Leiter des Roten Kreuzes einräumen, nur einen Teil der Wahrheit gesagt zu haben. Es gebe eine seit 2000 bestehende Businessgesellschaft.

Am 1. Juli verfügt der Dachverband, dass die Businessgruppe ihre Tätigkeit einstellen muss. Das Rote Kreuz, so meldet die Nachrichtenagentur Xinhua, beauftragt externe Buchprüfer, um zu untersuchen, was für Geschäfte die Gesellschaft gemacht habe.

Selbst die „Volkszeitung“ reiht sich nun unter die Kritiker ein. Es gebe ein tiefes Misstrauen in der Öffentlichkeit gegenüber karitativen Organisationen und dem, was sie mit Spenden machten. Solche Gesellschaften müssten transparenter werden und ihre Einnahmen und Ausgaben offenlegen.

Für Außenstehende ist das Ganze ein Lehrstück, welche Macht heute Millionen chinesischer Blogger ausüben können. Über ihre Mikroblogs und mit spontan initiierten virtuellen Fahndungsaktionen spielen sie eine Aufklärungs- und Wächterrolle, die die staatlich kontrollierte, unfreie Presse nicht leisten kann.

Der Künstler und Kulturkritiker Chen Danqing kritisierte aber in einer öffentlichen Fernsehsendung die Gefahr von Manipulationen, Vorverurteilungen, Kampagnen und die Rückkehr zu kulturrevolutionären Zuständen, wenn sich Millionen Menschen mithilfe des Internets zu Anklägern über andere erheben dürfen. Diese Gefahr sei real, solange es keine Presse- und Meinungsfreiheit gibt. „Ich bin für meine Warnungen jetzt von vielen Bloggern kritisiert worden“, sagte er „Welt Online“.

Chinas Internetdetektive aber sind schon bei Runde zwei. Bei Guo Meimei fanden sie gerade heraus, dass sie mit einem Investor liiert sein soll, der Teilhaber an einer der Rot-Kreuz-Gesellschaften ist. Chinas bekanntestes Finanz- und Wirtschaftsmagazin unterstützt die Aufklärungsaktion. Es erschien gestern mit einer Titelgeschichte über Vetternwirtschaft und Grauzonen im Dickicht der Gesellschaften des Roten Kreuzes.

Quelle : www.yahoo.de