Da haben wir gerade erst den Weltuntergang vom 21. Dezember 2012 überwunden und schon kommt der nächste um die Ecke: Der US-amerikanische Autor und Astronom David Meade behauptet in seinem Buch Planet X – The 2017 Arrival, ein Planet verlasse im September 2017 seine Umlaufbahn und kollidiere mit der Erde. Und zwar am 23. September 2017. Mittlerweile ist jedoch Oktober und wir sind immer noch hier. Was ist also schief gegangen?

Glaube an Übersinnliches ist weit verbreitet

Egal, ob Jahreshoroskope, die uns das beste Jahr unseres Lebens vorhersagen, Wahrsagerei oder die Nostradamus Prophezeiungen bei Questico vom französischen Apotheker Michel de Nostredame aus dem 16. Jahrhundert: Die Macht der Sterne sowie Vorhersagen über zukünftige Ereignisse faszinieren die Menschheit seit jeher. Und auch wenn bislang keine wissenschaftliche Studie solche mystischen Behauptungen bestätigen konnte: Eine Umfrage zeigt, dass ganze 43 Prozent der befragten Frauen und 23 Prozent der befragten Männer trotzdem an Astrologie und Horoskope glauben.

Auch die Prophezeiungen von Nostradamus haben ihre Anhänger gefunden, denn Angst und Faszination liegen ja bekanntlich näher beieinander, als man denkt. Insgesamt 942 Aussagen über die Zukunft hat Nostradamus zu seinen Lebzeiten verfasst, wobei Metaphern und Symbole seinen Sprachstil prägen. Das macht es natürlich umso schwieriger, Nostradamus‘ Aussagen zu entschlüsseln, auch wenn der Nostradamus-Experte Manfred Dimde behauptet, er habe den Code mit einem Computerprogramm entschlüsselt und weise eine Trefferquote von etwa 75 Prozent auf. Für das Jahr 2017 stünden beispielsweise die dramatische Ausbreitung von Terror und massive Veränderungen für Europa an.

Weltuntergangsszenario weckt Urängste

Ein möglicher Dritter Weltkrieg UND ein Weltuntergang? Die Prognose für unsere Zukunft scheint nicht gut zu sein, aber warum fesseln uns solche Vorhersagen über das Ende der Welt überhaupt? Es ist wohl die Faszination der Angst, die uns antreibt, denn Angst ist eine der wichtigsten Emotionen in der Evolution. Durch sie sind Menschen bei einer drohenden Gefahr zu Reaktionen und Leistungen fähig, die unter anderen Umständen nicht möglich gewesen wären. Mit der Moderne haben sich auch die Gefahren für die Menschen geändert, sodass uns heutzutage eher Bedrohungen wie Atomkraft, Terrorismus oder Klimawandel bewegen.

Doch warum zieht uns die Angst vor solchen Themen an? Schließlich liegt es eigentlich in unserer Natur, Situationen kontrollieren zu wollen, denn das vermittelt uns ein Gefühl von Sicherheit. Aber der von Meade prognostizierte Weltuntergang lässt sich eben nur schwer kontrollieren, sodass uns in solchen Momenten wohl einfach unsere gefühlte Überlegenheit allen anderen Lebewesen gegenüber ausreicht, um zu ignorieren, dass wir eigentlich machtlos sind. Der Tod, der am Ende eines möglichen Weltuntergangs auf uns wartet, ist also unausweichlich, aber immerhin können wir uns einreden, wir seien auf das Ende vorbereitet. Solche Gedankenspiele sind uns nämlich auch nicht fremd.

David Meade, der den Weltuntergang für den 23. September 2017 vorausgesagt hat, hat kurz vor diesem Datum übrigens darauf hingewiesen, dass der Weltuntergang nun doch erst am 21. Oktober 2017 stattfinden werde. Bei der Berechnung des exakten Datums für den Weltuntergang habe sich ein Fehler eingeschlichen; außerdem werde die Erde nicht vollständig ausgelöscht, vielmehr seien Jahre voller Krieg und Katastrophen zu befürchten. Über solche Aussagen kann jeder seine eigene Meinung haben, aber immerhin geben sie uns einen Anlass, über unser Leben nachzudenken und den Moment zu genießen. Und das ausnahmsweise, ohne über mögliche Konsequenzen nachzudenken.

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