Musik ist schon etwas faszinierendes, gerade dann wenn man sie selber macht. Das kann jeder Musiker bezeugen, der sich dem Zauber von sägenden Gitarren, scheppernden Drums, sphärischen Keyboards, sanften Geigen oder wummernden Bässen verschrieben hat. Ein IPad Virtuose, oder ein I-Phone Solist dürfte den meisten von uns dagegen reichlich absurd vorkommen, ja vielleicht sogar lächerlich. Das Berliner DigiEnsemble versucht aber genau das – und zwar durchaus ernsthaft. Und mit Erfolg!

Der Diplom-Opernsänger und Musikdozent Matthias Krebs, der sich selbst auch gern „Social Media Evangelist“ nennt, hat unter dem Namen DigiEnsemble sieben weitere professionelle MusikerInnen um sich geschart um gemeinsam mit ihnen Musik aus Smartphones und Tablet-PCs zu kitzeln.

„Nach anfänglichen Schwierigkeiten die Vielfalt an Klängen und Spielkonzepten auf einander abzustimmen, haben wir uns darauf geeinigt, unsere Entdeckungsreisen bei bekannten Musikstilen zu beginnen“ erklärt Krebs den Musikstil des Ensembles, der die ganze Bandbreite zwischen „klassischem“ Streichorchester und tanzbaren R’n’B-Song abdeckt. Gemeinsam wollen sie die Möglichkeiten und Grenzen ihrer mobilen „Instrumente“ ausloten. Die meisten ihrer Stücke sind dabei selbstkomponiert.

In der traditionell geprägten Welt der Klassik, stoßen die Pioniere der „mobilen  Musik“ zwar auf wenig Gegenliebe, bei aufgeschlossenerem Publikum finden sie aber durchaus Anklang.

Um ihre Musik möglichst interessant gestalten zu können, sind die acht digitalen Musiker stets auf der suche nach neuen Apps. Die heißen zum Beispiel: GarageBand, Accordio oder Shiny Drum. Der Schwerpunkt liegt hierbei auf dem IPhone oder IPad, da es hierfür die meisten  und besten Programme gibt. Dabei achtet das DigiEnsemble vor allem auch auf Bewegungssensoren, die beispielsweise durch Schütteln ein Vibrato auslösen oder durch kippen die Lautstärke regulieren lassen.

Die Vorteile einer solchen Art zu musizieren liegen auf der Hand. Es günstig – die meisten Apps kosten nur ein paar Euro – , Nah am klang echter Instrumente und bietet eine Vielzahl verschiedener Instrumente, die noch dazu einfacher zu lernen sind als ihre „realen“ Pendants. „Bei der Posaune hab ich in drei Tagen das gelernt, wozu ich sonst drei Jahre gebraucht hätte“, sagt Timon Kossack, einer der Musiker des Ensembles.

Dafür bereiten grade Soli auf den Smartphones ziemliche schwierigkeiten und trotz allem ist noch immer echte Handarbeit nötig, um was ordentliches aus dem „Instrument“ zu holen.

Wer neugierig geworden ist, kann bei den öffentlichen Proben des „DigiEnsembles“ nicht nur der Musik lauschen, sondern auch die Instrumente selbst  ausprobieren.

DigiEnsemble Website
Spiegel.de