Ein schönes Zitat, zur Zeit vorzufinden in der Wiese vor dem Bochumer Kunstmuseum.3 Worte, die für sich stehen. Austauschbar. Immer ist jetzt gefällt mir am besten, doch was ist, wenn man die Frage stellt „ist jetzt immer?“

Ich dachte diesbezüglich nach über Zielgruppen einer solchen Botschaft,wie sie uns tagtäglich in den Massenmedien generiert wird. Über Kunden und über Menschen, die Spielball von Massen-Medien werden.

Läßt sich ein Freak zum Beispiel von einem Model (ein jeder kennt die Sendung) im TV „forführen“ assoziiert das Sendeformat immer, dass sich das Leben des „Freaks“ in den 2 Tage Sendeproduktion vollkommen geändert hat: Er trägt neue Kleidung, einen neuen Haarschnitt, hat ein gekünzeltes Date und  damit verbunden etwas Selbstachtung errungen.Die Selbstachtung verliert er aber wieder schnell, wenn er nach dem Dreh anfängt zu denken und sich fragt “ ist jetzt immer“? Was habe ich da nur getan? Hat mir das ganze etwas gebracht?

Bringen tut es meiner Ansicht nach nur dem Sender was. Die eigentliche Unterhaltung und das eigentliche Spektakel ist nämlich nicht, dem Menschen in seiner Situation zu helfen, sondern nur das exibitionistische Bloßstellen des Freaks und seiner Unzulänglichkeiten vor aller Welt.

Ein „jetzt wird alles anders“ wird bei den meisten Freaks nach jener Show; wenn man sie heute nochmal aufsuchen würde, sicher nicht eingetreten sein. Sie fallen zurück in Ihr schwaches Selbstbild, wenn der kleine Hype um sie verflogen ist.Ein einziger, künstlich erzeugter „Motivations- Push“ kann keine gewohnten Lebensbilder und Formen aufbrechen. Dies kann ein jeder Pychologe und Lebens-Coach so wohl zu 100% unterstreichen.

Klar sind wir Menschen so gestrickt, dass wir gerne hinschauen wenn sich jemand zum Affen macht. Aber tut es diesem armen Affen helfen, wenn wir hinschauen ? Nicht wirklich! Das perverse ist : Wir erfreuen uns sogar daran, dass es anderen schlecht geht- dass sie das zwischenmenschliche nicht mehr hinkriegen und sie sich isolieren. Wir urteilen Sie ab : Das ist der Freak. Das ist das tolle Model- so ganz ohne Unzulänglichkeiten. So einfach ist das. So perfekt!

Dabei ist doch das Model der Freak!

Spielt das ganze doch mal vor Eurem geistigen Auge ab : Da ist ein Mensch, isoliert, gelähmt von den eigenen zwischenmenschlichen Unzulänglichkeiten. Er ruft nach Hilfe, wird aber nur abgewiesen von seiner Umwelt. Eigentlich müsste er von starken Mitmenschen an die Hand genommen werden. Er müsste wieder langsam erlernen, sich nicht mehr so gehen zu lassen, er müsste wieder in eine Gemeinschaften integriert werden, um Freunde zu finden. Denn Selbstwert bekommt und er-lernt man nur im Austausch mit anderen Menschen. Folglich dann der schrittweise langsame Aufbau seines Selbstbewußtseins durch schöne reale Erlebnisse mit anderen Mitmenschen.

Aber dann ein anderer Strohhalm – Erfolg in Windeseile versprechend : Es erscheint eine attraktive Person in Form eines Models – gottgleich, wunderschön…Hoffnung keimt auf.

Was folgt ist dann aber keine Lebenshilfe, wie man es erwartet. Es folgen „Spiele“ – Erniedrigungen auf höchstem Niveau, zu welchen ein normal-selbstbewußter Mensch sich niemals hinreissen ließe. Ich erinnere mich da z.Bsp. an einen Freak als menschliches Buffet. Nachdem die Models die Sushis von seinem nackten Oberkörper eingenommen hatten, zogen Sie über seine Optik her. Seine Aussage im TV “ Ich habe mich in meinem ganzen Leben noch nie so erniedrigt und mies gefühlt.“

Danach folgen am nächsten Tag (hey der Freak hat 1 Tag zum nachdenken bekommen-ist das nicht schön? 😉 ) Lösungen wie neue Klamotten, ein vom Sender erzeugtes erstes Date. Der Freak braucht nicht mehr zum glücklich sein. Am Ende jeder Sendung ist alles immer positiv : Das Selbst Bild des „Ex-Freaks“ Mensch ist zu 100% gestärt und wiederhergestellt, so dass er ab jetzt immer Erfolg hat – im Leben und im Bezug auf Partnerwahl.

Und wenn Sie nicht gestorben sind…glauben wir solche Märchen wirklich?

Wenn etwas kostenlos ist, bist Du nicht der Kunde. Du bist das Produkt. Hilfe bekommt man nicht geschenkt. Eine schöne Welt haben wir da. Zum Glück sieht die Realität oft noch anders aus – es gibt Menschen die wirklich noch helfen wollen.

Ist es nicht schade, dass Kundenfreundlichkeit meistens so beschrieben wird, dass nur die Kunden freundlich sind?

Wo kann man am billigsten hinfliegen? Prompte Antwort : „Auf die Fresse.“ Genau so läuft es doch zur Zeit, wenn man sich die Medienlandschaft anschaut. Ist diese Ansicht zu hochgestochen? Oder will die Werbeindustrie genau das? Dass wir nicht mehr Inszenierung von Wahrheit unterscheiden können – damit wir Ihre Produkte „kaufen“?

Ich träume von einem nachhaltigen “ immer ist jetzt“, von Verlässlichkeit … und von echter Hilfe statt nur Inszenierung. Was wünscht Ihr Euch?