Schwarm. Dieses Wort ruft meist hässliche Bilder im Kopf hervor. Willenlose Insekten, die den immer gleichen Regeln folgen, Science Fiction Rassen wie die „Borg“aus Star Trek oder die „Zerg“ aus dem Spiel Starcraft, die rücksichtslos alles Leben in ihr seelenloses Kollektiv integrieren, schwer missglückter Kommunismus oder vielleicht noch ein Haufen dumm glotzender Fische, der selig in das offene Maul eines gierigen Hais schwimmt. Schwarm ist Anpassung, Schwarm ist Gedankenlosigkeit, Schwarm ist der pure Horror. Und niemand, ja wirklich niemand möchte ein Teil von so etwas sein.

Dann habe ich eine schlechte Nachricht für euch: Ihr seid mittendrin im Schwarm!

Schwarm dich schlau

Wie ich zu dieser beleidigenden Behauptung komme und warum ich nicht mal die Hälfte der Prügel verdient habe, die ihr mir gerade innerlich androht, dazu kommen wir später. Zunächst ein paar Worte zum Thema Schwarmintelligenz.

„Schwarmintelligenz“. Das mag wie ein Paradoxon aussehen, ist aber im Grunde nichts anderes als kollektive Intelligenz (Klingt doch schon viel hübscher, oder? ^^). Die wiederum meinst nichts weiter, als das Phänomen, dass eine Gruppe als Ganzes intelligenter handelt als ihre einzelnen Mitglieder.

So würde man eine einzelne Ameise ja nicht unbedingt als Ansprechpartner für seine Doktorarbeit konsultieren. Selbst dann nicht wenn die Arbeit von Ameisen handeln soll. Ein Ameisenstaat dagegen ist schon eine ganze Ecke schlauer: Aufgabenteilung, Landwirtschaft, Viehhaltung, Logistik, Militärtaktiken, Sozialsysteme – Alles kein Problem. Ähnlich sieht es bei Bienen, Wespen, Termiten und anderen Tieren aus. Doch nicht nur die krabbelnde und schwirrende Zunft in Wald und Wiesen profitiert von diesem Phänomen. Auch unser Körper und vor allem unser Gehirn ist mehr als die Summe seiner Teile. Wie sonst sollte ein Haufen Einzeller in der Lage sein, Autos zu bauen, das Atom zu spalten oder Epen zu schreiben?

Na, was macht denn die Masse?

Genau das selbe Prinzip aber, erleben wir tagtäglich,wenn wir uns in sozialen Netzen  bewegen. Wir leben es und wir verlassen uns darauf. Wir kaufen die Produkte, die die meisten  guten Bewertungen haben. Wir lesen die Inhalte, die die meisten Leute „geliked“ haben. Wir schauen die Videos, die die meisten Menschen gesehen haben. Facebook, Youtube, Twitter, Digg, StudiVZ und Co. Sind unsere eigenen digitalen Ameisenhügel. Sogar Firmen nutzen dieses Prinzip um sich durch unser Feedback ihre Produkte verbessern zu lassen. Dieses Prinzip nennt sich „Crowdsourcing“ und spart der Marketingabteilung mitunter eine Menge Arbeit.

Dabei können sich die Ergebnisse oft wirklich sehen lassen. Der menschliche „Superorganismus“ funktioniert. Er ist eine seit langem erprobte Maschine, auf die wir aus genau diesem Grund immer wieder gerne zurückgreifen.

Das war schon lange vor Social Media so, auch wenn die neuen Kanäle und Techniken, dass Phänomen sicher noch verstärkt und in jedem Fall sichtbarer gemacht haben. Und das ist auch nichts von Grund auf Schlechtes. Es erspart dem Gehirn eine Menge Arbeit und uns einen Haufen unangenehmer Erfahrungen. Doch es entbindet uns auch nicht davon von Zeit zu Zeit selbst zu denken und eigene Erfahrungen zu machen. Frei, selbstbestimmt, voller Neugier und mit dem allgegenwärtigen Risiko gehörig auf die Fresse zu fliegen. Oder wollt ihr etwas Ameisen sein?

Quellen:

Wikipedia
Mein Hirn