Erst war ein Börsengang geplant, dann balgten sich Facebook und Google. Lachender Dritter ist nun Microsoft: Für 8,5 Milliarden US-Dollar übernimmt der Software-Riese Skype, den Platzhirschen im Online-Telefonie-Markt. Die Reaktionen sind geteilt.

Dienste für Internet-Telefonie wie etwa Skype sind auf dem Vormarsch. Doch auch bei Voice-over-IP (VoIP) sollten Nutzer die Tarife verschiedener Anbieter vergleichen.

Der Deal ergibt durchaus Sinn: Microsoft erhält einerseits Zugriff auf die 660 Millionen Menschen umfassende Nutzerbasis von Skype und kommt andererseits möglicherweise auch im Handy-Markt ein gutes Stück voran. Das hauseigene Betriebssystem Windows Phone 7 könnte von einer sauberen Integration der Skype-Software ebenso profitieren, wie das Office-Paket, dem dann womöglich bald ein mächtiges Kollaborations-Tool zur Verfügung steht – im Inter- wie im Intranet.

Aber ist der Preis gerechtfertigt? „Skype ist konkurrenzlos“, sagen die einen. Als Reaktion auf eine Umfrage von n-tv.de via Twitter verbinden andere mit der Übernahme die Hoffnung, dass Skype dann „vielleicht endlich gut“ wird.

Wird Skype nun „“vielleicht endlich gut“?

Nicht alle sind glücklich. Denn dem Konzern aus Redmond haftet noch immer der Ruf an, recht schwerfällig zu agieren und nicht immer die Interessen der Nutzer in den Mittelpunkt zu stellen. Und daher fragen sich viele Nutzer, wie es nun mit Skype weiter geht.

Einige Facebook Fans von ntv befürchten, dass der Dienst ausgeschlachtet und in den MSN-Messenger integriert wird. Auch dass die Grundfunktionen von Skype bald nicht mehr kostenlos angeboten werden könnten, steht im Raum.

Deutsche Skype-Variante: friendcaller.com

Manchen geht es auch ums Prinzip: Die Fachjournalistin Ulrike Langer etwa möchte auch künftig bewußt ganz auf Produkte aus Redmond verzichten („proudly Microsoft free“) und hat ebenfalls via Twitter nach Alternativen gefragt. Ihr Kollege Martin Weigert verweist in einem auf friendcaller.com, „quasi der deutsche Skype-Konkurrent“. Der hat sogar den Vorteil, dass er ohne Software-Installation aus dem Browser heraus funktioniert. Außerdem ist es nicht notwendig, dass der Angerufene sich ebenfalls bereits registriert hat.

Mächtige Konkurrenz von Google und Apple

Andere empfehlen den Google Voice Chat, der für Nutzer des E-Mail-Dienstes von Google kostenlos zur Verfügung steht. Der Suchmaschinen-Konzern hat seinem Messenger Talk erst vor Kurzem eine Video- und Voice-Chat-Funktion spendiert. Wer bereits bei Google Mail angemeldet ist, kann den Dienst direkt aus dem Posteingang heraus nutzen, nachdem er ein entsprechendes Browser-Plugin installiert hat. Und: die Funktion steht auch für Handys mit Android-Betriebssystem zur Verfügung.

Zwar gibt es Skype auch für Apple-Computer und als App für iPhone und iPad. Viele Freunde des Betriebssystems mit dem Apfel greifen aber möglicherweise schon jetzt lieber auf die Bordmittel Facetime und iChat zurück – zumal unlängst  bei der Softwareversion für Mac OS X Sicherheitsprobleme bekannt wurden.

Peter zahlt – wenn man Werbung ansieht

Weitere Hinweise aus der n-tv-Followerumfrage: www.peterzahlt.de, einen Online-Dienst der kostenlose Telefonate vermittelt. Allerdings muss man sich dafür während des Telefonats Werbeeinblendungen auf dem Bildschirm ansehen.

Viele wollen auch nach der Übernahme bei Skype bleiben, weil sie dort schon so viele Kontakte haben. . Weitere Alternative wäre auch der  Messenger ICQ(der ebenfalls Video-Telefonate bietet) – kurzum :“Google entkommt man nicht,wenn man auf der Suche nach Alternativen ist“.

Eine umfangreiche Aufstellung  von Software, die man zum Telefonieren über das Internet verwenden kann, gibt es bei Wikipedia. Etliche der gelisteten Angebote sind allerdings weithin unbekannt. Einen gewissen Ruf hat darunter Fring (für fast alle Smartphones erhältlich) erlangt. Gizmo5(für Windows, Mac und Linux) wurde im April von Google übernommen und stellt seinen Dienst ein.

Man sieht aber: es gibt durchaus eine ganze Reihe von Alternativen für Freunde des kostengünstigen (Video-)Telefonats. Und so wird die spannende Frage sein, ob Microsoft nicht vielleicht doch den einen oder anderen Dollar zu viel auf den Tisch geblättert hat. Wir werden sehen, wohin die User wandern.

Quelle : ntv.de