Ende eines Onlinetraums: Rupert Murdochs News Corp hat sein Social Network MySpace an ein Werbenetzwerk verkauft. Oder sollte man besser sagen verschenkt? Denn der Kaufpreis, den die kalifornische Specific Media nach unbestätigten Medienberichten gezahlt hat, soll nur noch bei gut 35 Millionen Dollar gelegen haben, und das meiste davon musste Murdoch in Aktien des Käufers akzeptieren. Eine schmachvolle Niederlage.

Der Medienmogul hatte 2005 gut 580 Millionen Dollar für den damaligen Marktführer hingelegt. Ähnlich katastrophal hat nur noch AOL (NYSE: AOL – Nachrichten) im Social Networking Geld versenkt. Das 2008 für absurde 850 Millionen Dollar von AOL erworbene Netzwerk Bebo wurde 2010 für angeblich gerade mal 10 Millionen Dollar verramscht. AOL und MySpace verbindet das gleiche Schicksal: Sie mutierten von Internet-Titanen zu Cyber-Gartenzwergen. Beide schafften es nicht rechtzeitig in irgendeiner Weise auf das sich schnell ändernde Internet zu reagieren.

Der geradezu unfassbare Erfolgslauf des Konkurrenten Facebook brach MySpace das Genick. Statt sich neu zu erfinden versuchte Myspace zu lange einfach nur das bessere Facebook zu werden. Das Ende geriet in Sichtweite, als ein lukrativer dreijähriger Werbevertrag mit Google (NasdaqGS: GOOG – Nachrichten) nur noch zu ungünstigen Konditionen verlängert werden konnte. Zwischen 2007 und 2010 zahlte Google eine garantierte Mindestsumme von insgesamt 900 Millionen Dollar, um im Gegenzug Werbung schalten zu können. Vor dem trügerischen Hintergrund dieses Sicherheitspolsters ignorierte das Management zu lange die Warnsignale. Missmanagement, strategische Fehler und verpasste Trends bei den Nutzern führten schließlich dazu, dass aus einer der meistbesuchten Web-Seiten der Welt ein Nischenanbieter wurde.

Dazu kamen die Probleme mit dem neuen Eigner News Corp. über die strategische Ausrichtung und Integration der wilden Webseite mit freizügigen Teenagerfotos und Heavy Metal Bands. Sie passte so gar nicht in den traditionsreichen Medienkonzern mit dem konservativ ausgerichteten Flaggschiff Wall Street Journal. Die ständigen Reibereien führten dazu, dass sich Myspace mehr um sich selbst und seine Position im Konzern als um die Nutzer kümmerte. Das Scheunentor zum Markteintritt stand sperrangelweit offen für Facebook.

Jetzt werden die Reste bei MySpace weggeräumt

Jetzt werden nur noch die Reste weggeräumt. MySpace mit Stammsitz im beschaulichen Beverly Hills hat mit dem Abbau der Hälfte der verbliebenen Stellen begonnen. CEO Mike Jones tritt zurück und wird nach einer Übergangsphase von knapp zwei Monaten das Unternehmen verlassen. Unklar ist noch die Strategie, mit der die Käufer MySpace wiederbeleben wollen. Tim Vanderhook, CEO von Specific Media, spricht nebulös von „zahlreichen Synergien“ und dem gemeinsamen Fokus auf „Verbesserung des Mediaerlebnisses der Nutzer durch Anreicherung der Kanäle mit Relevanz und Bedeutung.“

Aber vielleicht ist eine Wiederbelebung ja auch gar nicht wirklich geplant, wofür auch der geplante massive Stellenabbau sprechen würde. Denn das eigentlich wertvolle sind die Profildaten der zig Millionen Nutzer, von denen viele zwar ihr MySpace-Profil kaum noch besuchen, aber ihre privaten Informationen einschließlich Kontaktdaten noch immer auf ihren verwaisten Profilen haben. Specific Media gewinnt dadurch einen enormen Fundus an Informationen, der sich gezielt nach werberelevanten Kriterien durchforsten lässt. Durch die Übernahme gelangt der Technologie-Konzern – zumindest solange MySpace noch existiert – außerdem in den Besitz von eigenen Werbeplätzen und wandelt sich so vom reinen Werbe-Broker, der Anzeigenplätze im Auftrag Dritter verkauft, zum Online-Medienunternehmen.

Fraglich ist jedoch, ob die verbliebenen MySpace-Nutzer wirklich für neue Werbeoffensiven bereit sind. Es waren schließlich Wellen von Spam- und Werbemüll, gefälschte MySpace-Seiten von Prominenten, um Datenabzugreifen, Datenlücken und als Freundschaftsanfragen getarnte Werbekampagnen, die das Netz Mitte der 2000er in Verruf brachten und viele Kunden in die Arme von Facebook getrieben haben. Jede all zu aggressive werbliche Ausschlachtung durch den neuen Eigentümer würde den Niedergang nur noch beschleunigen.

Wir sagen : Das Nacheifern eines weit vorausgeschrittenen Konkurrenten kann nur in die Hosen gehen. Der Zug Facebook ist abgefahren und hat mit seinem Tempo so einiges an Firmen zerstört, die diesem Hype nicht gewachsen waren- MySpace ist sicherlich hervorgehoben dafür das beste Beispiel. Mit solch einer Strategie kann man nur in die „Arme von Facebook treiben“. Wir werden sehen, welche ähnlich agierenden Opfer der Markt noch fordern wird…

Quelle : yahoo.de / handelsblatt.com

Bildquelle :http://www.zweitdoteins.de