Ein Selbsttest für 2 Wochen in sämtlichen regionalen Singlegruppen Facebooks mit nettem, einladenden Profil und Text. Das war mal etwas, was ich unbedingt austesten wollte. Tummeln tun sich dort viele- doch gab es auch reale, ernsthafte Kontakte? Hier die Auswertung für Euch….

„Jeder dritte lernt sich über das Internet kennen“ – ist das wirklich so?

Sicherlich sind diese Behauptungen aus irgendwelchen getunten Dating-Spruchsalven entstanden. Vielen kostenpflichtigen Anbietern auf diesem Gebiet spielt das natürlich in die Karten. Sind wir mal ehrlich und reden Tacheles: Denen geht es ganz sicher nicht um mein persönliches Glück – sondern man will Kasse machen. Die Geschichten von vielen Fakes und Co. auch in kostenpflichtigen Kennnenlern-Börsen hatte ich hier ja schon bereits des öfteren thematisiert und ausgegraben. So schön ist die einfache Dating-Welt von daheim aus nämlich doch nicht. Eigene Selbst-Tests bringen bekanntlich immer etwas mehr ans Licht & diesen wagte ich jetzt.

Wesentlich günstiger erschien es mir nämlich, das ganze einmal „frei“ auf der kostenlosen Ebene – man „be-zahlt“ ja „nur“ mit seinen Daten 😉 – auf Facebook nämlich- zu probieren. Das ganze sah dann so aus (kleiner Screenshot für Euch):

Singlegruppe Feedback TestJenes postete ich in sämtlichen, auffindbaren Dating-Gruppen dort. Teilweise darin auch in speziell-vorbereitete Ordner, die zum „Eigenmarketing“ dort für die wartende Single-Meute taugen „sollte“. Insgesamt fand ich für „meine Region“ ca 6 Gruppen mit ingesamt 30.000 Usern.

Schön öffentlich. Rechnerisch und Anzahl-mäßig sollte bei 30.000 Singles doch sicherlich etwas zu machen sein, oder?

Ok, gehen wir mal 50/50 von 15.000 Frauen aus, die ich mit meiner „Anzeige“ ansprechen wollte… gingen Sie tatsächlich „in die Falle?“ (meine lieben Leser, das ist natürlich bildlich gemeint nur & in der Anzeige ist ja auch von einer „Partnerschaft“ die Rede; soviel dazu bevor der Shitstorm losgeht) 🙂

FrauenfalleFoto: Facebook Frauenfalle

Der Versuch liess zunächst die eigenen „Freunde“ auf Facebook natürlich zu Fragen hinreissen (wenn Sie dies in der Timeline sahen) wie „was macht er denn jetzt?“ Alleine das war den „Spass“ schon wert. Die waren aber nicht angesprochen. Die wirklich nahestehenden kennen mich auch wirklich und in echt. Aber wieder zu den Gruppen selbst:

Die Anfangsfreude war schnell entschwunden

Es meldeten sich in den ersten 2-3 Stunden 6 „potentielle Kandidatinnen“ wie aufgetragen via Nachricht ans private Profil. Die „anderen“ begnügten sich mit Liken und belanglosen Kommentaren. Ich hatte mir wesentlich mehr davon versprochen.

Meine total individuelle und kreative „Selbervermarktungs-Anzeige“ entschwand auch nach und nach ganz weit nach unten – und mussten anderen, „wichtigeren“/oder „unwichtigen“ Statusmeldungen anderer in der Gruppe „Platz machen.“ Hatte ich denn wenigstens in diesen „wenigen Minuten ganz oben“ immerhin eine Auswahl?

Ähm…nein auch das nicht wirklich. Nunja, ich nenne das Kind mit Namen- die Damen waren oft jenseits der 40, hatten 3 Kinder oder sonstige, nennen wirs einmal gelinde gesagt „Dating-hemmende“ Gründe, warum sie wohl dort in diesen Gruppen des öfteren verweilten, oder Ihre komplette Lebenszeit vertrieben… Jene Behauptung entstammt daher, weil jene Kandidatinnen fast jedem Mann dort Kommentare unter Bilder setzten usw. Ist das hier die Reste-Rampe?

Ich für meinen Teil würde einen Menschen nie in Schubladen stecken – Schönheit ist immer relativ und liegt immer im Auge des jeweiligen Betrachters- jeder/jede hat seine eigene Geschichte & Respekt sollte man immer walten lassen. Das tat ich auch in der Kommunikation mit den „Kandidatinnen.“

Insgesamt war da aber immer so ein Gefühl von „das sind die übriggebliebenen“ mit von der Partie. Und so richtig real kam man auch nicht zusammen nach ein paar Sätzen. Man ist in einer Singlegruppe und will den 2ten Schritt in die reale Welt (ein Telefonat/ Vorschlag für ein Treffen) überhaupt nicht machen oder ein-gehen. Genau das ist dieses gefährliche Verstecken & der Selbstschutz- gepaart mit einer gehörigen Menge Einsamkeit für viele dort draußen. Schade und traurig eigentlich.

Was bleibt? Eine sehr nüchterne Erkenntnis: Auch wenn laut neuesten Zahlen vor allem das weibliche Geschlecht von 19-30 Jahren nahezu 2 Stunden und 25 Minuten täglich (!) & Männer nur die Hälfte der Zeit- am Smartphone/auf Facebook/auf WhatsApp verbringt – ist gerade das nicht unbedingt der Grundstein dadurch eine schöne, reale Zeit zu erleben. Es ist keine erweiterte, erleichternde Kennenlern-Möglichkeit. Es ist eher ein „sich verstecken“ hinter ganz viel Technik. Die Hürde sich tatsächlich kennenzulernen erscheint sogar höher.

Dating muss real sein. Sich treffen (via Singlegruppen kam es erst garnicht dazu), sich anlächen, anschauen, miteinander reden und darauf Schritt für Schritt ein Kennenlernen aufbauen- sollte das Ziel sein. Den Anfang muss man wohl lieber ohne das geliebte Netz machen. Facebook Singlebörsen sind eher ein Abbild der Einsamkeit – und kein Paradebeispiel der schönen, neuen, einfachen Kennenlern-Welt.

Stecker aus, geht raus! Nicht mehr, nicht weniger. Ich bin auf Eure Meinungen und Erfahrungen gespannt…vielleicht gibt es unter Euch Lesern ja auch ein paar glückliche „Facebook-Pärchen“. Ich wäre erstaunt, wenn diese womöglich sogar aus den Singlegruppen dort resultierten. Lasst es mich wissen & herzliche Grüße aus der realen Welt.