Fanslave, der neue Shooting-Star am Himmel zwielichtiger Marketingangebote. Dass man sich Facebook-Fans kaufen kann, um somit „Macht auf dem Markt“ zu suggerieren, hatten wir ja bereits auf unserem Freizeitcafe-Blog berichtet. Nun gehts ins Detail mit dem Geld- verdienen über den Like-Button. Hier eine Stellungnahme in Hinzuziehung eines Rechtsanwalts-Blogs:

“Gefällt mir”-Button klicken und Geld verdienen. Es klingt doch sehr verlockend, für etwas bezahlt zu werden, was man auf Facebook ohnehin ständig macht.

Hierbei im Visier: Der Anbieter Fanslave.de, der Facebook-Fans “verkauft” und die Facebookmitglieder, die für die Klicks auf den “Gefällt mir”-Button (angeblich) Geld erhalten.

Dabei schöpfe ich den Verdacht, dass der Kauf von Facebookfans nur ein Nebengeschäft ist und es in Wirklichkeit um etwas ganz anderes geht. Doch zuvor möchte ich die Teilnehmer des Systems über die rechtlichen Folgen aufklären.

Wie bindet Facebook die Mitglieder an sich?

Für Facebooks Geschäftsmodell sind Glaubwürdigkeit, Verlässlichkeit und Vertrauen die wichtigste Grundlage. Der Kern von Facebooks Glaubwürdigkeit ist der so genannte Social Graph. Und dieser kann durch den Kauf und Verkauf von Fans meines Erachtens erheblich gestört werden.

Bei dem Social Graph handelt es sich grob gesagt um eine Zusammenfassung der Beziehung der Facebookmitglieder zueinander. Dieser Graph bestimmt zum Beispiel welche Nachrichten öfter auf Pinnwänden auftauchen, weil deren Verfassern höhere Relevanz zugeordnet wird. Diese Relevanz wird bei Seiten daran gemessen, wie viele Fans sie haben oder wie oft sie kommentiert werden. Man könnte also sagen, dass der Social Graph vorausberechnet was interessant ist und für wen. Das wiederum hilft Facebook Mitglieder zu behalten, in dem ihnen nur die Informationen präsentiert werden, die sie interessieren. So wird auch die Werbewirkung erhöht, weil die Mitglieder die Werbung sehen, die sie am wahrscheinlichsten anspricht.

Störung des Social Graph

Facebook macht deutlich, was es von Fanslave hält – trotzdem hat die Seite weiterhin ihre Fanpage

Die Balance dieses Systems kann durch gekaufte Fans und Klicks beeinträchtigt werden. So kann ein Unternehmen plötzlich als für eine völlig falsche Zielgruppe relevant eingestuft werden und anschließend die Mitglieder langweilen. Das mag bei einem Fall nicht schlimm sein, aber wenn man das ganzen auf ein Netzwerk von Millionen Mitglieder hochskaliert, werden diese Störungen spürbar.

Zudem ist zu erwarten, dass Unternehmen ihre Fanaktivitäten einschränken, wenn sie wissen, dass sie Facebooks Quasi-Währung, den “Likes”, nicht vertrauen können.

Das Angebot von Fanslave ist rechtswidrig

Juristisch gesehen würde man eine solche Störung des Social Graph in Deutschland als einen Eingriff in das “Recht am eingerichteten und ausgeübten Gewerbebetrieb” bezeichnen. Es handelt sich um ein rechtswidriges Delikt, das Schadensersatzpflichten nach sich ziehen kann.

Zudem verbieten die Facebook-Nutzungsbedingungen in Nr. 3.11, das einwandfreie Funktionieren von Facebook zu beeinträchtigen.

Ob Unternehmen wie Daimler und Haribo wirklich Fans kaufen?

Es ist nicht verwunderlich, dass Fanslave laut Angaben der Marketing Managerin Marlene Scott zwar ein Angebot einer ITT Corporation ist, tatsächlich aber laut dieser Recherche wohl gar nicht existiert und nur eine Briefkastenfirma in Großbritannien ist. Dass das Impressum und der Anmeldevorgang rechtswidrig sind, überrascht dann auch nicht mehr.

Auch die Mitglieder verstoßen gegen die Regeln

Mit der Teilnahme an dem Fanslave-Programm gehen Facebookmitglieder große Risiken ein. In den Facebook-Nutzungsbedingungen in Nr. 4.4 heißt es:

Du wirst dein persönliches Profil nicht zu deinem kommerziellen Nutzen verwenden …

Sich für Klicks bezahlen zu lassen, ist eine eindeutige kommerzielle Nutzung des eigenen Profils und damit ein klarer Regelverstoß. Da man für die Teilnahme an dem Fanslave-Programm wohl eine Applikation nutzen muss, besteht zudem die Gefahr, dass Facebook dahinter kommt und den Account dauerhaft sperrt.

Dazu kommen natürlich noch mögliche Gefahren für die eigenen Daten, wenn man Fanslaves Applikation verwendet.Würden Sie Ihre Daten preisgeben?

Alles Übertreibung?

Selbstverständlich ist all dies meine persönliche Meinung und mangels Facebooks Geheimhaltung des Social Graph nicht ohne weiteres nachprüfbar. Dennoch denke ich, dass die Argumentation nicht abwegig ist.

Doch eines stört an den ganzen Überlegungen. Warum reagiert Facebook nicht und hat zum Beispiel die Facebookseite von Fanslave nicht gesperrt? Kann es sein, dass der Fankauf gar nicht von Bedeutung ist?

Alles nur eine SEO-Masche?

Schaut man sich einmal die interessanten AGB von Fanslave an, springt einem folgendes ins Auge. Wenn man diese liest, bekommt man das Gefühl, dass nicht der Handel mit Fans, sondern das Schalten von Textlinks auf der Website im Vordergrund steht. Ein Schelm der hier denkt, dass der Fankauf nur den Buzz generieren (und es laut Alexasehr erfolgreich tut), der Verdienst aber mit Werbung gemacht werden soll.

Die Rechnung wäre einfach:

Millionen von Facebookmitgliedern x Gier = Sehr viele Seitenaufrufe

Beispielsweise Rank 1.257 in Deutschland. Damit wird man als Werbeplatz äußerst interessant!

Fazit

Ich möchte es nicht von der Hand weisen, dass man mit Fanslave tatsächlich die Anzahl der Fans steigern kann. Jedoch sollte jedem bewusst sein, dass man dabei gegen Gesetze sowie Facebookregeln verstößt und Abmahnungen von Wettbewerbern, Facebook selbst sowie die Sperrung des Kontos riskiert. Auch ein dauerhaftes Hausverbot für Unternehmen ist die mögliche Folge.

Facebookmitglieder, die an dem Geld-Verdienst-Programm teilnehmen, riskieren ebenfalls eine Sperrung ihres Accounts nebst Hausverbot sowie gehen die Gefahr ein, dass ihre Daten missbraucht werden.

Zudem liegt es nahe, dass es gar nicht um den Fanhandel geht, sondern lediglich um einen SEO-Coup, bei dem mit der Gier der Leute der Werbewert der Seite gesteigert wird.

Letztendlich denke ich, dass es wie in jedem zwielichtigen Business ist – einige wenige werden gute Gewinne machen und die meisten viel Risiko für wenig Geld tragen. Mir fällt da auch ein schöner Name für die letzteren ein: “Fanslaves” 🙂

Quelle :spreerecht.de