Ich mache mir jetzt mal Luft. Ich bin Gründer, ein kleiner Gründer von vielen – und kein frustrierter. Ich versuche trotz allem echt positiv gestimmt zu bleiben. Aber ich hadere aufgrund vieler Erfahrungen und stehe kurz davor alles hinzuschmeißen. Und ich denke, das meine Geschichte hier gleich eine Erfahrung sehr sehr vieler Gründer ist, die jene Wahrheit über die Gründerwüste aber nicht aussprechen wollen/sich nicht trauen. Dann tu ich es halt…

Ich bin jemand, der das was um ihn herum geschieht genau beobachtet und analysiert. Irgendwann (wie jeder andere Gründer auch) ein Fazit zieht und Entscheidungen machen muss. Entscheidungen fürs Leben, welchen Weg man gehen soll. Firma/Selbstständig sein oder wieder ins Angestellten-Verhältnis zurück. Ich sage Euch jetzt mal was liebe Neu-Gründer: Legt die rosa, hoch-motivierte Gründerbrille ab und betrachtet die Gründerwüste Deutschland, DAS kommende Tech-Land 4.0 mal ganz genau; denn hier stimmt was nicht: Wir sind bei weitem noch nicht im Technologie-Zeitalter angekommen; vor allem die Banken nicht!

Geht es um Kredite und/oder Wagniskapital, bist Du in Deutschland als Neu-Gründer ohne Haus/besondere Reichtümer/unendlich viel Geld und Umsätze – für die Banken in der heutigen Zeit ein NICHTS! Ich wage sogar zu behaupten: EGAL wie gut Deine Geschäftsidee ist!

Die Medien stellen das heutige Gründertum und die Kredit-Vergabe nur positiv dar: Nehmen wir einmal die Höhle der Löwen als bestes, schlechtes(!) Beispiel:

Da sitzen die reichen Geldsäcke – ob so ganz legal, „selbst verdient“ oder nicht sei mal dahin gestellt- aber die Löwen/Figuren dort sind auch nichts anderes als „Banken.“ Geldgeile Banken, die eigentlich (und ausschließlich fast nur Ihre eigene Promo sehen) & das eigene Geld mit den guten Ideen anderer „noch schneller“ mehren lassen wollen. Zu den geldgeilen Banken später noch mehr.

Nun sehen wir oft glückliche Ja-Ja Sager. Freuen uns so sehr mit Ihnen über das JA. Auch ich habe das fasziniert und interessiert daran oft genau so „mitfühlend“ getan. Es erscheint mir fast so, als wenn jeder dritte Gründer dort mit einem Ja-Match freudestrahlend hinaus geht.

Ich muss das verehrte, alles glaubende TV-Publikum (wie auch mich) aber jetzt gehörig enttäuschen, denn: Ein JA ist kein JA zur Zahlung mehr. Hinter den Kulissen wird nach-verhandelt! Und das wirklich heftige Ergebnis: 70% aller „Höhle der Löwen Deals“ platzen. Aus der Traum! Das nötige Investment kommt nicht. Ob das bei 70% Nein-Sagen „nur am Gründer liegt“ mag ich ganz stark bezweifeln. Denn auch die Zeit eines Jochen Schweitzers, der jetzt ausscheidet bei der Höhle der Löwen- ist begrenzt, denn:

Kein Mensch kann 20 Start-Ups etc. gleichzeitig mit vollem Herzblut betreuen. Dafür fehlt einfach die Lebenszeit- und/oder die Zeit vor allem auch für die eigene Firma. Auch so ein Trugschluss, der uns „so schön“ verkauft wird- aber nicht real anwendbar ist. Oftmals sehen die Gründer die „Stars“ auch nie mehr- sondern nur deren Teams und/oder bezahlte Sub-Sub-Unternehmer, die mal „nachgucken“ sollen, wenn es nicht so gut (wie immer erwartet)läuft…

Über Herr Öger von Öger Tours (der schon fast insolvent war)& da schön „Kredite vergibt“, will ich jetzt überhaupt nicht sprechen oder dem gebügelten Maschmeier mit seinen Bad Bank Geschäften, der vor laufender Kamera damit rumprahlen muss, dass er schon mit „den Backhams“ dinierte.

Nun zu den Banken- den „armen Banken“… Sicher werden jetzt die immer gleichen Stimmen laut: Aber die Banken haben es heute doch auch „so schwer.“Darauf sage ich: Nein- das stimmt nicht! Die EZB druckt Geld ohne Ende, nur kommt dieses niemals bei den guten, jungen, motivierten Gründern an! Zumindest bei den meisten nicht! 

Und die Banken machen es sich so einfach wie möglich: Wohl dem, der ein Haus hat. Der/die bekommt einen Kredit. Wohl dem, der schon mit dem goldenen Löffel im Po geboren ist. Der/die bekommt einen Kredit. Wohl dem, der einen „Bürgen“ hat, welche/r in einem (am besten hochbezahlten Angestelltenverhältnis) freiwillig für jemand anderen/dessen Firma haftet. Der/die bekommt einen Kredit.

Aber der „Rest“ – die diese „guten Vorraussetzungen“, („ganz natürlichen“- dass man reich ist??) nicht haben, ja gar vom Amt kommen- ja die bekommen: Nothing! Die werden einfach so gedankenlos abgeschrieben!

Ich bin jetzt mal Gründer XY, habe mir einen teuren Unternehmensberater für 3000 Euro/5 Tage Leistung als „Unterstützung“ angeschafft/angelacht, besitze den „perfekten, wasserdichten Businessplan.“ Bin überdies mit einer wirklich guten, durchdachten, über die Jahre ausgefeilten Geschäftsidee bis in die Haarspitzen motiviert; habe nach wenigen, harten 2-3 Start-Monaten schon recht gute kleine, aber anfängliche Umsätze. Lebensmodell, Einstellung, Berufserfahrung, astreine Schufa, Ausbildung, Studium, alles stimmt und ist in sich schlüssig und überzeugend. Dann die weitere, ab jetzt (Leidens-) Erfahrung….

Ein reales Beispiel: 3 Anträge bei Banken gemacht….

  • Bank Nummer 1:  lässt sich über 2 Monate alles erdenkliche zuschicken: Businessplan 50 Seiten stark, Zahlenteil, Umsätze der letzten Monate. Schufa Auskunft ausgefüllt. Eine Vielzahl von Bank- internen Anfrage-Papieren mühselig ausgefüllt sowieso. Eine Ansprechperson. Jene hat merkwürdigerweise nie Zeit. Verschiebt immer wieder unseren Termin für das Erst-Gespräch. Fährt dann in den Urlaub – um dann im Urlaub von der Hilfskraft/Vertretung ein „einfaches Schreiben“ zukommen zu lassen: „Danke, wir können Ihre Geschäftsidee nicht unterstützen, Ihren Weg nicht begleiten. Unsere Entscheidung heißt aber nicht, das andere Banken Sie nicht begleiten. Viel Erfolg BlaBla. “ Mehr nicht- man wird nach monatelanger Hinhaltetaktik im Regen stehen gelassen- und das ganz ohne Gespräch, gar Vorstellung. Dort hatte man also einfach keine Lust: Aufwand eine 10 – Ergebnis und Freundlichkeit/Aufwand der Bank= 0
  • Bank Nummer 2: Juhu ein Erstgespräch bei der Hausbank. Die Einstiegsfrage der Bank: Herr… – was ist ein Blog? Zudem die Erkenntnis: Man hatte den Businessplan seitens der Bank vorher überhaupt nicht gelesen! Dennoch starker Auftritt von Team Gründer/Unternehmensberater. Die Tante unter dem großen roten S sagt „Das würde ich sogar privat nutzen“. Eisbrecher! Zudem kommt der Fakt, das das Konto gut geführt und schon einmal ein „kleiner Kredit“ von 6200 Euro für den Blog damals bewillgt – und mit 11.000 Euro plus den ganzen Zusatz-Verkäufen seitens der Bank (Versicherungen blabla) mit ca. damit noch eingerechnet insgesamt also 15.000 Euro die letzten Jahre „fleißig abbezahlt“ wurde. Der Unternehmensberater nach dem Gespräch beflügelt: Die machen das! 2 Wochen später der Anruf: Wir können Sie leider nicht begleiten. Es wäre – genauer Wortlaut „Ja alles top- jedoch wissen wir als Bank nicht, ob Sie nach einem Jahr Tilgungsfreiheit die KfW-Rate zahlen können.“ Ajaaa….Trauer umfängt mich – und die Gewissheit: Die müssen irgendwo beim roten S eine Glasskugel haben, die schon die Umsätze kennt. Auch ein kleines „Barbudget“ ist der Bank schlichtweg „egal.“ All die Mühe, der Auftritt, das hübsch machen im besten Anzugs/Zwirn: Wieder alles umsonst!
  • Bank Nummer 3 geht nur mit Online-Antrag. In den AGB´s vom Mezzanin (so heisst das gute Ding; son Wirtschaftstopf von Gabriel- welcher aber Technologieunternehmen „aufgrund der Schnelllebigkeit des Internets eher skeptisch“ gegenüber ist!!)  steht aber: 600 Euro Kosten auch bei Nicht-Erfolg. Wir Gründer „haben es ja.“ Soll ich den Antrag überhaupt ausfüllen`? Läuft alles wieder so wie bei den anderen Banken? Und ist „mein Geld“ (starke 600 Euro) hier schon für 10 Minuten Bearbeitungszeit einer Bank „futsch“?
  • Auf die Banken Numero 4-10 habe ich schon (fast) keine Lust mehr: Windig und irgendwie auf biegen und brechen zu Höchst-Zinsen will ICH keinen Kredit!! Auxmoney hat mir 14,2 % angeboten- das ist ja wunderbar-(wahnsinnig!) 🙂

Bei 7% würde ich schon NEIN sagen. Und die ach so tollen Gründerkredite liegen in Nachfrage durchschnittlich bei 3,4%. Auch Bullshit wenn Ihr mich fragt- wo Häuslebauer und Co. aufgrund des EZB Geld-Druck-Marathons marginale 1% „angeboten“ bekommen.

Wieder fühlt man sich als Gründer in Deutschland erniedrigt. Soll ich am besten gleich schreiend ins Silicon Valley auswandern? Mal kurz nachgedacht: Aua, auch nein! Die Quadratmeter wie Kindergartenpreise sind für normal-sterbliche Gründer nicht zu bewältigen!

Gleiches gilt im übrigen auch für Unternehmensberater: Kurz mal auf eine „kleine Ungereimtheit“ hingewiesen im Business-Plan/Zahlenanteil – wird einem prompt die 3000 Euro Rechnung plus Mwst Steuer geschickt. Eine „Erfolgskopplung an einen Kredit“- also Zahlung nur oder erst, wenn der Kredit da ist, gibt es – lasst mal raten: Gibt es…NICHT!

Klar, man „muss“ nur 2070 Euro überweisen/wird ja zur Hälfte „gefördert“ und man „kann sich ja später die Mehrwertsteuer vom Steuerberater zurückholen“….aber hat man auch das als „Jung-Gründer“ gerade „mal eben so“ auf der hohen Kante? Ähhh… nein?

Wird mir in dieser Welt überhaupt noch „zugehört“, oder geht es überall „nur um mein bestes“- mein Geld? Irgendwie schon- denn die Idee, das Konzept, der Wille, die Motivation, die Sinnhaftigkeit & das eigene Leben rückt bei allen Erfahrungen immer wieder in den Hintergrund. Es leuchtet nur (mal wieder) die häßliche Fratze des Geldes. Sind wir wirklich so weit, daß NUR noch das Geld zählt und entscheidet, wohin wir kommen?  Ich mag mich irgendwie nicht damit abfinden- und doch renne ich weiter, schon ganz ausgetrocknet und mit leeren Taschen durch die Gründerwüste….

Mein persönliches Fazit nach all dem:

Die Service-Wüste Deutschland lebt! Für Gründer ist das kein einfaches Leben. Auf der einen Seite ist ein Gründer so ein Zwischen-Mensch, den es so eigentlich nicht gibt/geben kann: Er soll bestenfalls in einem Angestellten-Verhältnis sein und mordsmäßig viel Kohle jeden Monat einfahren- um der Bank zu gefallen!

Gleichzeitig aber am besten (auch Hauptberuflich!) Gründer aus vollem Herzblut sein, auch dort irrsinnig viel Cash verdienen – und dann eines fallen lassen. Denn die Bank/die KfW etc. zahlt nur an „hauptberuflich“ selbstständige Kredite aus.

Ähm…was tu ich denn nun in der heutigen, unsicheren Zeit von Arbeitsstellen und Co. Wage ich etwas? Und habe ich es ge-wagt… komme ich dann überhaupt weiter? Ich sage Euch eines: Die meisten werden es NIE wagen, Ihre Ideen im stillen Kämmerlein begraben und lieber Ihr „anscheinend sicheres Angestelltenverhältnis“ (wobei wir ja wissen, dass heute NICHTS sicher ist) vorziehen. Kein Wunder- wenn sie diesen Text hier von mir gelesen haben. Aber auch diese sollen bitte bitte nie aufgeben! Aufgeben ist nie eine Option, wenn Ihr Träume habt!

Und für alle, die hoffentlich (mehr) positivere(re) Erfahrungen als ich gemacht haben:

Seid froh, wenn IHR Sicherheiten habt. Seid dankbar, wenn es Euch leichter gemacht wird! Jemand für Euch bürgt, jemand für Euch da ist. Wisst aber auch: Es geht nicht jedem so gut wie Euch. Und dass es und so gut geht/läuft wie bei Euch ist NICHT selbstverständlich/überall gleich oder jedem direkt in die Wiege gelegt worden.

Mein Beileid an die armen Seelen – die Gründer aus der „Höhle der Löwen“- die ohne das „versprochene Kapital“ mit hängenden Schultern heim kommen und womöglich (trotz kurweiliger TV Promo/besserer Geschäftszahlen) auch Ihre Idee irgendwann später dann doch wegen dem ausgebliebenen Kapital begraben müssen.

Es ist eine Scheiß, sehr Gründer-unfreundliche Welt in der wir leben. Das mußte mal gesagt werden. Punkt. Und keine Sorge: Das Freizeitcafe stirbt nicht – das bleibt 🙂 (auch wenns hart ist!)

Bitte schreibt mir hier via Kommentar von Euren Erfahrungen als Gründer/Gründerin. Seht Ihr es auch so/habt Ihr es auch so erfahren, dass es mehr Mauern als Brücken gibt? Wie schwer hattet Ihr es beim Start? Habt Ihr Euch am Ende durchgeboxt? Oder musstet Ihr traurig Eure Idee begraben. Ich hadere noch mit mir. Wie macht Ihr weiter? Ich freue mich sehr auf Euer Feedback! 

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