Ihr Lieben, die Online-Welt verändert unser Leben ganz schön. Neulich habe ich mit einer 8-Jährigen Kühe gefüttert und Futter für die Tiere angebaut. Was kommt euch daran komisch vor? Genau, natürlich ist das in der digitalen Welt passiert und nicht im richtigen Leben!

Habe ich denn schon einmal Kühe gefüttert? Geschweige denn gemolken? Nein! Denn: Die Milch stammt ja aus dem Euter der Kuh und nicht aus dem Supermarkt, entgegen der Meinung vieler Grundschüler aus der Großstadt. Aber wie soll man den Kindern das auch verübeln?…

Die 8-Jährige war übrigens eine Tochter von einer Freundin von mir. Ich war erstaunt, mit welch einer Hingabe sie die Tiere ihres Online-Spiels füttert. Für mich als Landwirtschafts-Laien war das sehr beeindruckend. Sie hatte komplett auf dem Schirm, welche Kühe wann gemolken werden müssen, wie man sie bei Laune hält, wann man sie streicheln muss… Ich konnte mir so richtig vorstellen, wie sie einmal später im Büro Aufgaben delegiert. Die perfekte Chefin. Sensibel, umsichtig und koordiniert.

Aber nein, was passiert denn hier eigentlich???

Sind Online-Spiele die perfekte Vorbereitung für die Berufswelt? Computer anmachen, konzentriert Aufgaben erledigen, Feinde schlagen und Intrigen spinnen? Es kommt nur derjenige weiter, der nach den Regeln spielt – oder eben nicht nach den Regeln spielt? Ich erinnere mich noch gut an SimCity 2000, die perfekte Vorbereitung für den Job des Bürgermeisters. Wenn viel Neues gebaut wird, kommen auch die Leute und fühlen sich wohl. Mit einem Code konnte man das Programm allerdings überlisten und bekam pro Jahr mehr Geld, als man ausgeben konnte. Dann hat das Spiel erst so richtig Spaß gemacht – ohne Rücksicht auf Verluste Geld ausgeben, ein Traum. Dass man als Bürgermeister  mit einem Trick mehr Geld verdienen, als ausgeben kann, ist im Übrigen ja auch im echten Leben gar nicht so unrealistisch…

Der neueste Spiele-Spaß von der Kleinen ist übrigens ein Gartenspiel. Neue Blumen kaufen, aussäen, gießen und sich darum kümmern. „Warum machst du das eigentlich nicht im richtigen Leben?“, habe ich sie gefragt. „Na, weil das zu lange dauert“, meinte sie. Das kommt mir bekannt vor, denn meiner Mutter kann es in ihrem Garten auch gar nicht schnell genug gehen. Sie beginnt frühzeitig mit der Aufzucht von Samen Zuhause, alle Fensterbänke und Böden stehen voll mit kleinen Pappschachteln. Mit Liebe werden sie jeden Tag gewässert. Jetzt hat meine Mutter sich in den Kopf gesetzt, ihren Garten neu auszustatten. Sie gießt ihre Blumen zwar in der realen Welt, bestellt ihre Gartenmöbel allerdings online. „Warum das denn?“, habe ich gefragt. Sie meinte: „Weil es zu lange dauert, bis dein Vater mal mit mir einkaufen geht!“

Das ist also der Grund, warum sich die reale Welt immer mehr mit der digitalen Welt mischt: weil die Dinge dann schneller gehen. Schnell müssen sie Pflanzen wachsen, schnell müssen die neuen Gartenmöbel geliefert werden. Verstehe… ich wünsche euch einen schönen Tag.