Ein sogenannter „Slacktivism“ ist ein noch eher „bescheidener“ Ausdruck für den Aktivismus von Drückebergern. Diejenigen also, die sich garnicht um die Menschen in Afrika kümmern wollen, sondern nur Ihr eigenes Leib und Wohl sehen.

Politisch und mit der ganzen Wahrheit nun in Betracht ziehend eine regelrechte „Online-Kommunikation zum gruseln“, die uns allen da aufgebaut wurde. Politisch gesehen. Ein Lehrstück ist es jedoch für diejenigen, die Spin-Doctor/Gewinner in der Verbreitung viraler Inhalte im Web werden möchten.So geht´s wirklich erfolgreich! Die Frage nur: Zu welchem Leidwesen?

Ungeahnte Wellen schlug jene Kampagne www.kony2012.com …aber: Ist das alles nur Show und Lüge?Auch wir vom Freizeit- cafe hatte über Kony 2012 berichtet und zunächst einschlägig zum „mitmachen“ aufgefordert. Artikel und Video hier:Die virale Jagd nach einem Massenmörder- Social Media als letzte Chance

Dies war falsch.Dafür entschuldigen wir uns.Wenige Wochen später merken auch wir,dass die Berichterstattung darüber zu einseitig war. Uns erreichten auch E-Mails, in denen stand, dass wir uns nicht „instrumentalisieren“ lassen sollten. Zeitungs-Artikel und umfangreiche Internetrecherchen brachten uns aber keine Zweifel, sondern eher Bestätigung in der Echtheit des Videos & der Kampagne ein.

Naja so kann es manchmal zugehen in einer Welt, die mit Social Media so instrumentalisieren kann, dass man die Wahrheit dahinter nicht mehr erkennt. Die politisch im nachhinein völlig erstaunlich unkorrekte Agitation & die immens hohe Anzahl -auch an Prominenten Unterstützern dafür- ließ auch uns irren & ins Messer laufen.

Jetzt aber hat sich im Nachhinein einiges Neues herauskristallisiert, über das wir gerne berichten werden- Klartext & die ganze Wahrheit hier :

Die hochgeputschte Kampagne ist wohl doch eher nur ein Spenden-Sammel-Trick.“ Die Kampagne könnte sogar die eigentlich längst abgeebbte Gewalt (laut ugandischen Bloggern) wieder anfeuern. Dies steht in der New York Times, in der man das „schlechte Weltbild“ nun gerade-rücken möchte.

Natürlich steht es völlig außer Zweifel, dass man der „Warlords“- u.a. auch Joseph Kony – endlich habhaft werden muss. Der Internationale Strafgerichtshof in Den Haag freut sich schon darauf.

Nun aber weitere Fakten-direkt aus Uganda. Die müssen ja wissen, was dort wirklich abgeht:

Das Ende des ugandischen Brügerkrieges mit seinen „Kinderarmeen“ erfolgte bereits vor 3(!) Jahren. Der Film, den wir sahen & heute noch viele sehen zu Millionen, ist auf die Zeit davor(!) fokussiert& datiert. Heute gibt es nur noch eine kleine Schaar(und nicht mehr tausende) von der LRA (Lord´s Resistance Army) & diejenigen verstecken sich schon lange außerhalb von Uganda im tiefsten Dschungel!

Mir persönlich sträuben sich gerade bei diesen Fakten die Nackenhaare. Der Regisseur und Filmemacher, der da so schön sein Kind präsentiert & damit zusätzlich instrumentalisiert: Ein absoluter Lügner,der Menschen aufhetzt mit Unwahrheiten…

Und wie sieht es die afrikanische Bevölkerung? Die Afrikanische Netzöffentlichkeit empfindet die Kampagne schlichtweg falsch und überhaupt nicht als „Hilfe.“ Die „Fortsetzung kolonialistischer Überheblichkeit“ (Zitat aus der New York Times) kommt da eher zum Ausdruck.

Die ugandische Journalistin und preisgekrönte Bloggerin Rosebell Kagumire entlarvt das ganze nutzlose darin in wenigen Sätzen & wie wir finden, auf den Punkt gebracht:

Kagumire sagt dort ganz smart aus:

Dies ist ein weiteres Video,in dem wir Außenstehende sehen, die zum Helden werden möchten, indem sie afrikanische Kinder retten. Wir haben diese Storys oft gesehen, in Äthiopien oder, wenn Prominente nach Somalia kamen, aber das, so weiß man, beendet nicht das Problem. Ich denke, wir brauchen ein Art gesunder, intelligenter Kampagnen, die auf politische Veränderungen ausgerichtet sind – und nicht eine hochgeputschte Story, die nur darauf aus ist, die Leute zum Weinen zu bringen, und am Ende des Tages wieder vergessen wird.

Schaut man sich das ganze also an, kann man tatsächlich den Eindruck gewinnen, dass keiner(!) der Filmemacher sich je mit der Angelegenheit befasst hat, bevor man daran ging den Film zu machen. Ganz nach dem Motto „Wir machen jetzt einfach mal, machen Kohle & werden berühmt- schön auf Kosten anderer.“

Was ich noch erschreckender finde: Sogar US-Präsident Barack Obama wurde getäuscht damit. Kennt Ihr die Formulierung, derer sich Barack Obama bediente, als er Soldaten im letzten Oktober nach Afrika schickte?

Ich habe eine kleine Anzahl gefechtsbereiter Soldaten dazu autorisiert ins zentrale Afrika auszuschwärmen, um den regionalen Truppen Unterstützung zu leisten, die daran arbeiten Joseph Kony vom Schlachtfeld zu entfernen,

PS: Der Internationale Strafgerichtshof (der die Sache differenzierter sieht & der nicht auf die Aussagen des Videos reinfiel) ist übrigens von den USA nicht anerkannt bzw. unterstützt.

Wen juckt das schon? Erfolg und Geld wurde zu Genüge eingespielt:

30 Dollar kostete so ein „Kony 2012 Kit“ auf der HP. Ein bisschen PR-Material war in der Mappe. Kluger Schachzug in der Anschaffung. Natürlich wurde ALLES ausverkauft. Ging über die Kony-Theke wie geschnitten Brot. Nicht zu vergessen:

Die Online-Spenden, welche vermutlich in „gewaltiger Höhe“ verbucht wurden. Wie kam es eigentlich dazu? Ganz einfaches Instrumentarium: Mit einem „vorbereiteten Tool“ Prominente auf die Aktion aufmerksam machen.

Handwerklich also genial gemacht, Prominente zur Unterstützung drängen, dieses auch schaffen & danach einen „Aufschrei“ in der Welt zu inszenieren, der jeden twittern, bloggen &  posten lässt. „Perfides Posaunen“ nenne ich das jetzt mal- wir wurden ALLE instrumentalisiert! Auch und vor allem unsere „Vor-Bilder“:

Oprah Winfrey twitterte folgendes an 10 Millionen Menschen:

Danke, liebe Twitterer, dass Ihr mir Infos zur Beendigung der LRA-Gewalt zugesandt habt. Ich bin gewärtig. Ich habe die Sache mit Dollars und meiner Stimme unterstützt und werde nicht aufhören. #KONY2012“.

Justin Bieber mit seinen 18 Millionen „Getreuen“ brachte folgendes dazu hervor auf Twitter:

Es ist Zeit, ihn bekannt zu machen. Ich rufe ALLE MEINE FANS, FREUNDE und meine FAMILIE auf, vereint Euch und #STOPKONY – http://youtu.be/Y4MnpzG5Sqc“.

Letztendlich- auch wenn wir hier nur ein paar nannten: Der Hashtag (das ist dieses schöne : #vor einer Nachricht bei Twitter), in Form von #StopKony wurde in der Spitzenzeit 12000 Mal pro Minute(!) getwittert!

Unser Fazit- was wir tun würden :

Die Kampagne zeigt vor allem eines: Das millionenfache Re-Posting in Echtzeit hat mit politischem Diskurs wenig zu tun. Eine rasend verbreitende Botschaft, dazu noch erfolgreich verschleiert & modifiziert, kann Berge versetzen!

Kritische Re-Postings gehen in der Masse unter- Wissen wird ersetzt durch „glauben.“ Solch ein Instrument kann gefährlich sein. Vielleicht war es nur ein Test der USA, wie Macht heute funktioniert? Das wäre nur eine von vielen Vermutungen!

Wisst Ihr, wovor ich Hochachtung hätte? Wenn jetzt- wo die Unwahrheit aufgeflogen ist- all diese großen Berühmtheiten, Vorbilder & Politiker das eingebrachte Geld durch Kony 2012 aus dem Topf nehmen & schön an die hungernde Bevölkerung in Afrika verteilen & deren Infrastruktur fitmachen. Internet für jeden- echtes, wahres(!) Social Media für jeden.

Das wäre doch mal eine Welt, die Fortschritt, Hilfe und Entwicklung nicht mit Macht und Inszenierung wettmacht!

Wir danken Euch fürs lesen & freuen uns über aussagekräftige Kommentare hierzu.