Es war ja eigentlich nur eine Frage der Zeit. Die neueste Facebook Innovation bietet nicht weniger als eine biometrische Gesichtererkennung. Das muss man sich dabei folgendermaßen vorstellen. Sobald jemand ein Bild hochlädt, auf dem eine Person aus dem Freundeskreis zu erkennen ist, wird diese automatisch für eine Markierung („tagging“) vorgeschlagen, also auf Wunsch ein Link auf das Profil des betreffenden gesetzt.

Das schönste an der Sache: In bester Facebook Tradition, ist die Funktion standardmäßig aktiviert. Wer sie also los werden möchte, muss selber aktiv werden und hat dabei ein ganzes Stück Arbeit vor sich. Die Funktion ist nämlich verborgen wie ein Geheimdokument: Privatsphäre-Einstellungen –> „Benutzerdefinierte Einstellungen“ –> „Dinge, die andere Personen teilen“. –> „Freunden Fotos von mir vorschlagen“ –> „Einstellungen bearbeiten.“ Hier dann „einfach“ die Funktion deaktivieren.

Wer jetzt glaubt, er wäre den Unsinn los, den müssen wir leider enttäuschen. Die Funktion bemüht sich nach wie vor, Namen und Gesichter miteinander zu verknüpfen. Auch bisher gesammelte Tags zu einem Gesicht werden nicht gelöscht. Wer sie los werden will, muss sich mit der Bitte um Löschung direkt an den Facebook-Support wenden – und zwar nicht nur einmal, sondern immer wieder für jede einzelne Markierung!! Dann sind da natürlich noch die Fotos selbst. Wenn man die ins Nirvana schicken will, bleibt einem ohnehin nur die flehentliche Bitte an die Mitglieder des (mitunter nicht so engen) Freundeskreises.

Facebook selbst zeigt sich jeder Kritik gegenüber gelassen: Man erzeuge ja streng genommen nicht einmal neuen Daten. (Wozu auch? Das tut ja schon der Nutzer ^^). Außerdem bringe das Markieren den Nutzern mehr Kontrolle als vorher, da sie direkt sehen würden, wenn jemand ein Foto von ihnen hochlade.

Immerhin steht Facebook nicht allein: Auch Programme andere Anbieter wie z.B. Apples App iPhoto oder Googles Fotoanwendung Picasa benutzen dieselbe Technik zur Gesichtserkennung.

Fazit: Wer braucht das Ganze? Diese Frage sollte man sich eigentlich bei jeder technischen Neuerung stellen. So platt sie auch klingt, letztlich meint sie nichts anderes als die Frage nach dem Verhältnis von Kosten und Nutzen einer Innovation. Die Schrift, Elektrizität, Arbeitsteilung, das Internet. All diese Dinge kosteten Lebensentwürfe, Traditionen, Fertigkeiten und vieles mehr. Aber sie haben dabei auch Gutes bewirkt, haben die Menschheit nach vorne gebracht. Was aber bringt einem eine Funktion, auf deren Kostenseite Dinge wie Ängste, Privatsphäreverlust und Kontrollverlust stehen, für die sie sich lediglich mit ein paar Sekunden Zeitersparnis und vielleicht einem diffusen Gefühl von Modernität entschuldigen kann? Facebook wird die Antwort vielleicht wissen. Ich aber weiß sie nicht!

Quellen:

Anwalt.de
Mittelbayerische.de
FAZ.de