Kleiner Scherz – ganz große bittere Wirkung. Was ein Twitter- Posting in der Welt alles anrichten kann, sieht man hier: 26 Autounfälle; Leute ließen ihre Autos mitten auf der Straße stehen, um ihre Schulkinder zu holen. Notrufleitungen brachen zusammen und waren so für echte Notfälle unerreichbar. – Den 2 Straftätern drohen nun bis zu 30 Jahre Gefängnis!

Ausgelöst wurde die Panik durch den „Scherz“ eines Mathelehrers : „Meine Schwägerin hat mich gerade verstört angerufen, sie haben gerade fünf Kinder aus der Schule entführt“ – warum er einen irrsinnig dummen Post wie diesen von sich gab, ist noch unbekannt. Als eine Radiomoderatorin die Nachricht über das soziale Netzwerk weitergab, brach schließlich Panik unter den Menschen aus, deren Nerven ohnehin schon aufgrund eines Bandenkrieges in der Stadt blank lagen.

Der Staatssekretär für Inneres des Bundesstaates Veracruz, Gerardo Buganza, verglich das entstandene Chaos mit der Panik, die nach der Ausstrahlung der Pseudo-Nachrichtensendung „Krieg der Welten“ ausgebrochen war.

Gespannte Situation

Ein Grund für die heftige Reaktion auf die Twitter-Nachrichten ist die Situation in Veracruz. Seit einiger Zeit wird die Region von gewalttätigen Auseinandersetzungen im Drogenmilieu heimgesucht. Die Menschen sind verunsichert und haben Angst. Die Medien trauen sich kaum über die Drogenkriminalität zu berichten, was dazu führt, dass die Menschen sich vermehrt auf soziale Medien wie Twitter verlassen, um zu erfahren, was vor sich geht. Die Angeklagten sind schockiert über das Ausmaß der Strafe, die ihnen jetzt droht.

Amnesty International

kritisiert das Vorgehen der mexikanischen Justiz und verweist auf das Recht der Angeklagten auf Redefreiheit. „In Europa ist der Rechtschutz hingegen anders gegeben. Wir haben mit dem Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte ein sehr effizientes System. Ein solcher Prozess wäre bei uns also nicht möglich.“

Wir sagen:

Hier spielte einiges zusammen : Die angespannte Situation in der Stadt, Angst um Kinder, die Dummheit eines Mathelehrers und einer Radiomoderatorin. Bei uns sollte sowas nicht einfach so möglich sein – aber schon interessant wie ein einziger Post beim kleinen blauen Vogel solch eine Hysterie hervorrufen kann.

Quellen :

theguardian& pressetext