Twitter- Sprechstunde : Fragen Sie Mr.Obama. Viel los bei Amerikas großen Social Media-Vorzeigeunternehmen: Wenige Minuten nach Facebooks Vorstellung des neuen Videochats konnte auch Twitter mit einem großen Live-Event punkten. Niemand Geringeres als US-Präsident Barack Obama gab sich die Ehre, sich in einer sogenannten Bürgersprechstunde („Town Hall-Meeting“) den Fragen der Twitter-Nutzer zu stellen. Viel Neues wurde dabei erwartungsgemäß nicht diskutiert, vielmehr mutete die Veranstaltung im Weißen Haus wie vorgezogener Wahlkampf im Social Media-Zeitalter an.
Ein Popstar hat Heimspiel: Als Barack Obama den East Room des Weißen Hauses betritt, brandet Jubel auf, wie ihn nicht jeder US-Präsident in den vergangenen  Jahrzehnten genossen hat. Keine Frage: Obama ist weiter eine Pop-Ikone, doch all das nutzt ihn wenig, wenn er nächsten Jahr als Amtsinhaber die Präsidentschaftswahlen verliert – das ist zuletzt 1992 George Bush senior passiert.

Entsprechend hat der Wahlkampf längst begonnen. Kein Wunder, dass Obama seit der Verkündung seiner erneuten Kandidatur Anfang dieses Jahres vor allem jenes Feld beackert, auf dem er 2008 in schier mirakulöser Form emporgeschossen ist – das Spielfeld der Social Media-Gemeinde. Zehn Wochen ist es her, dass Obama Facebook einen regelrechten Staatsbesuch abstattete und Mark Zuckerberg wie einen aufgeregten Schuljungen aussehen ließ. Nun also Twitter, dessen CEO Dick Costelo Obama als Mitglied im ‚National Security Telecommunications Advisory Committee‘ (NSTAC) sogar berät.

„Es gibt nur 140 Zeichen“: Obama twittert bisher kaum selbst

Deutlich gefasster als Zuckerberg zeigte sich Twitter-Gründer Jack Dorsey, der erst vor ein paar Monat wieder zum boomenden Kurznachrichtendienst zurückgekehrt war und nun für die Monetarisierung verantwortlich ist. In wohlwollenden, aber nicht anbiedernden Worten kündigte Dorsey Obama an, um ihm dann noch einmal trocken die Gepflogenheiten des Twitterns zu erklären: „Es gibt nur 140 Zeichen“.

Nichts Neues für den 44. US-Präsidenten natürlich, der bereits über 8 Millionen Follower verfügt und die Bürgersprechstunde gewohnt lässig eröffnete: „Es ist viel einfacher im Sitzen zu twittern“. Unter dem Hastag #AskObama konnten Twitter-Nutzer die Fragen an den US-Präsidenten senden, die dann beantwortet wurden. „Ich schreibe heute Geschichte als der erste US-Präsident, der live twittert“, erklärte ein gut gelaunter Obama.

Erster Tweet an sich selbst

Tatsächlich ist der Account @BarackObama bis vor kurzem dato vor allem vom PR-Team des Präsidenten versorgt worden. Knapp drei Wochen ist es her, dass Obama selbst bei Twitter eingegriffen hat – seinerzeit mit einem wenig auffälligen Tweet zum Vatertag („Vater zu sein, ist der schwerste aber erfüllendste Job. Einen frohen Vatertag an alle Väter!“)  – seitdem ist nichts mehr passiert.

Auch gestern antwortete Obama naheliegenderweise nicht via Twitter, sondern mündlich auf die Fragen in 140 Zeichen, die Dorsey wie ein TV-Moderator  verlas  – der offizielle Twitter-Kanal des Weißen Hauses @whitehouse fasste sie zusammen. Erwartungsgemäß ließ sich der Politprofi Obama nicht aus der Reserve locken und stellte sich die erste Frage sogar selbst: „Welche Kosten würden sie senken und welche Investitionen beibehalten, um das Defizit zu reduzieren“ – so funktioniert Wahlkampf im Social Media-Zeitalter.

Die HuffingtonPost kritisierte die Twitter-Sprechstunde dann auch in scharfen Tönen: „Twittern hat kaum stattgefunden. Die Fragen hätten genauso gut aus dem Hut gezogen werden, von einer Brieftaube geschickt oder von den Zuschauern gestellt werden können.“

Wir sagen: Der kleine blaue Vogel von dem mächtigsten Mann der Welt genutzt um seinen Wahlkampf zu gewinnen-was wenn nicht das drückt aus, welchen Stellenwert Social Media heutzutage einnimmt und dennoch erst am Anfang steht. Vor allem in Deutschland muss hier noch der Umbruch stattfinden. Erst wenige trauen sich- müssen damit aber umzugehen lernen.

Quelle : meedia.de