Xing, die Social Community für Anzugträger, hat einen neuen Look. Jünger will es erscheinen, schlanker, übersichtlicher. Vereinfacht ausgedrückt: Xing will so sein wie Facebook. Und sogar mit einer Facebook-Thessa kann Xing jetzt dienen: Eine Einladung zur Grillparty in ein Hamburger Einfamilienhaus war dummerweise für alle elf Millionen Xing-Nutzer weltweit lesbar. Das Peinliche: Der Versender der Einladung war kein unbeholfener Teenie, sondern der Vice President Operations der Xing AG.
Seit dem 7. Juni erstrahlt das Netzwerk Xing in neuem Glanz. Jünger will es erscheinen, schlanker, übersichtlicher. Vereinfacht ausgedrückt: Xing will so sein wie Facebook. Denn was die Amis können, kann Xing schon lange, mögen sich die Macher des börsennotierten Hamburger Unternehmens gedacht haben.

Und Facebook kann vor allem eines: Schlagzeilen produzieren. Wie zuletzt mit der 16-jährigen Thessa, die Gott und die Welt versehentlich zu ihrer Geburtstagsfeier einlud und so eine ungebetene Massenparty lostrat. Eine solche Thessa hat Xing jetzt auch. „Grill the beast – before sleep sausage barbecue“ lautete die megacoole Einladung in ein Hamburger Einfamilienhaus, die dummerweise aber nicht nur an den kleinen Freundeskreis ging, sondern für alle elf Millionen Xing-Nutzer weltweit lesbar war. Eingestellt mit einem der neuen Tools. Das Peinliche: Der Versender der Einladung ist kein unbeholfener Teenie, sondern der Vice President Operations – na? – natürlich der Xing AG.

„Selbst Xing-Mitarbeiter steigen offensichtlich nicht mehr durch“
Seitdem überzieht die Community die Businessnetzwerker mit Spott. Unter der Betreffzeile „Selbst Xing-Mitarbeiter steigen offensichtlich nicht mehr durch“ frotzeln die Moderatoren der insgesamt 40.000 Diskussionsgruppen über die vermeintlichen Innovationen des Relaunchs. Sie sind nämlich alles andere als begeistert. Die einen wollen ihre Moderationstätigkeit einstellen, weil sie bei den neuen Tools nicht mehr durchsteigen, andere wollen gar den Bezahlservice kündigen. Nichts mit jung, schlank, übersichtlich.

Die Kritik geht so weit, dass sich der Vorstandsvorsitzende Stefan Groß-Selbeck sogar selbst in den Meinungsaustausch einschaltete – und kleinlaut zugab: „Natürlich weiß ich sehr genau, dass es unter den Moderatoren eine große Unzufriedenheit gibt – und in weiten Teilen ist die auch berechtigt … Da sind einige Dinge in der Tat nicht rund gelaufen.“ Es gibt Gesprächsbedarf. Und den wollen einige Xing-Nutzer jetzt klären. Bei einer Bratwurst im Garten des Vice President. Der ruderte zwar am Montag zurück und postete: „Hallo zusammen, das ist mein ganz privates Grillevent und keine Xing-Veranstaltung.“ Versehentlich habe er die Einladung öffentlich gestellt. Dennoch lädt er alle ein, die zugesagt haben. Mitzubringen sind Würstchen und Getränke. Ach ja, die Party steigt morgen ab 19 Uhr. Die genaue Adresse gibt es bei Xing.

Quelle: Jens Brambusch  www.handelsblatt.com