Mitmach Web 2.0 – überall machbar und nützlich? Ein Thema, welches fasziniert, aber dennoch für Zündstoff sorgen wird : Der Online-Einkauf im Supermarkt- angeregt durch den beigefügten Artikel in der Zeit.

„Einkaufen im Netz“ macht das Warten an der Supermarktkasse überflüssig. In Großstädten wie Berlin funktioniert es bereits schon ausgezeichnet. Einfacher machen soll es die Welt: vor allem den älteren, die jene Laufwege nicht mehr beschreiten können, weil Ihnen die Kraft dazu fehlt. Aber auch „schmutziger“ macht es die Welt – und da ist der Haken…

Wer seine Einkäufe normalerweise in ein oberes Stockwerk tragen muss, freut sich besonders über die Dienstleistung seines Supermarktes.

Bis vor einem Jahr war es gar nicht so einfach, im deutschen Internet Lebensmittel zu kaufen. Spezialshops gab es zwar: Wein, Delikatessen, Pralinen. Aber für die Grundversorgung mit „schnell drehenden Konsumwaren“ sind Discounter, Verbraucher- und Supermärkte zuständig – und deren Websites waren meist bloß virtuelle Werbeflyer.

Dann schlugen Experten Alarm: Deutschland sei dabei, das Online-Thema zu verschlafen.

Inzwischen haben REWE und Kaiser’s Pilotprojekte in Großstädten gestartet. Shops wie Edeka24.de, Lebensmittel.de, gourmondo.de und froodies.de bieten umfangreiche Sortimente. Und Amazon betreibt seit Juli 2010 einen Supersupermarkt mit 35.000 Food-Artikeln. Es fehlt also auch online an nichts mehr.

Wie läuft das ganze ab?

Es ist zehn Uhr am Samstagmorgen, als der Mann vom Lieferservice an der Tür klingelt. Er trägt den 70-Euro-Einkauf ohne Murren in den vierten Stock: die Klopapierpackung, den Blumenkohl, die Wasserkiste.

Manchmal sieht das frische Gemüse vielleicht nicht exakt so aus, wie es ein mäkeliger Kunde vor Ort in den Wagen gelegt hätte – der Chinakohl hat kleine braune Flecken, eine Avocado ist noch hart wie Stein. Aber alles in allem stimmt die Leistung. Für fünf Euro Aufschlag bringt der Supermark Kaiser’s an die Kühlschranktür, was der Kunde am Vortag online bestellt hat. Auch der Drogeriemarkt Rossmann liefert sein Sortiment nach Hause. Edeka kommt angefahren, ab 75 Euro Bestellwert sogar ohne zusätzliche Gebühren.

Hintergrund :

Online-Shopping ist ein großer Wachstumsmarkt. Die Menschen kaufen immer häufiger Bücher, CDs und Elektrogeräte im Internet. Sie buchen im Netz ihre Reisen und jagen nach Schnäppchen. Nur das traditionelle Einkaufen, das alltägliche Besorgen frischer Milch, von Brot, Seife und Kartoffeln, das findet immer noch in der überwältigenden Mehrzahl offline statt – zu 99,9 Prozent sogar.

Dabei könnte es sich lohnen, wenn viele Menschen auch den Alltags-Einkauf im Netz erledigten. Einkaufen verstopft die Straßen. 12,3 Prozent aller Verkehrsbewegungen in Städten haben den Einkauf zum Zweck, hat das System repräsentativer Verkehrsbefragungen (SrV) ermittelt. Ausgerechnet die Einkaufsfahrten, bei denen es ja oft schwer zu tragen gibt, werden wohl eher mit dem Auto unternommen als mit Rad oder Bus, sind also ökologisch besonders bedenklich.

Positives, negatives und Studien :

Zwar streiten die Experten noch, ob Online-Shopping gut für die Umwelt ist. Aber man stelle sich einmal vor, alle Bewohner eines einzigen Mietshauses ließen sich den Einkauf bringen, statt einzeln in ihre Porsches und Geländemobile zu steigen und vor dem Supermarkt zu parken – das muss sich ökologisch doch rentieren! Und die Effizienz-Gewinne des Lieferservice sind umso größer, je mehr Menschen mitmachen, je dichter also der Fahrer sein Netz knüpfen und unnötige Wegstrecken vermeiden kann. Schließlich lohnen sich angeblich auch die sogenannten Gemüsekisten, die derzeit noch weitaus weniger Menschen bestellen: ökobewusste Bürger, die sich Obst- und Gemüse aus der Region direkt an die Haustür liefern lassen.

Außerdem frisst ein Einkauf wertvolle Lebenszeit. 41 Prozent benötigen über eine Stunde pro Woche, 19 Prozent brauchen sogar mehr als zwei Stunden. Einer Studie des Elite News Instituts zufolge, die der Online-Lebensmittellieferant froodies in Auftrag gegeben hat, ärgern sich 52 Prozent der Verbraucher über lange Wartezeiten an der Kasse. Angeblich verbringen Menschen im Laufe ihres Lebens ganze fünf Jahre damit, auf etwas zu warten. Da ist es doch viel angenehmer,  zu Hause Radio hören oder Zeitung lesen zu können, statt an einer Supermarktkasse zu stehen, den Wagen des Hintermanns in den Kniekehlen.

Am herkömmlichen Einkaufen stört die Menschen aber noch viel mehr: 41 Prozent der Befragten nervt es, dass sie die Produkte erst einmal quer durch den ganzen Laden erjagen müssen, bevor sie endlich alles Nötige beisammen haben. Das machen die Supermarkt-Gestalter natürlich, um dem Einkäufer auf diesem Weg noch einen Likör oder eine Packung mit Geleebananen anzudrehen. Im Netz geht das nicht so gut. Da ist der Weg zwischen Waschpulver und Partygarnelen genauso weit wie der vom Apfelmus zum Schweizer Käse.  Schlecht für das Geschäft des Handels, aber gut für den Kunden. Bislang haben die Bestell-Seiten der meisten Anbieter eher noch den Charme eines Steuerformulars. Da kauft man nur, was man wirklich braucht.

39 Prozent der Elite-Studienteilnehmer beklagten zudem die lange Parkplatzsuche, bevor es überhaupt mit dem Einkaufen losgeht. Und mehr als ein Viertel treibt die Musik im Supermarkt in den Wahnsinn. Zwei weitere Gründe für den Einkauf vom Sofa aus.

Nur ein knappes Fünftel der Kunden verbindet der Studie zufolge ein positives Einkaufserlebnis mit dem Gang zum Lebensmittelmarkt: Sie loben das freundliche Verkaufspersonal. Doch genau das bleibt auch dem Online-Shopper erhalten – mindestens. Wer Dienstleistungen zu schätzen weiß, der freut sich über den netten jungen Mann, der die Wasserkiste freundlich in die Wohnung hievt. Ein Wohlgefühl, nicht selbst schleppen zu müssen. Da zahlt man sogar ein Trinkgeld, und alle sind zufrieden.

Allerdings: Der Bringservice zum Beispiel von Kaiser’s räumt sich selbst ein recht großzügiges Zeitfenster von 9 bis 13 Uhr ein, in dem der Kunde natürlich zu Hause zu bleiben hat. Da der Lieferservice aber stets die gleiche Tour zu fahren scheint, lässt sich der Zeitpunkt recht verlässlich vorausbestimmen. Es auszuprobieren, lohnt sich.

Zusammenfassung / Wir sagen : Die negative Seite im Auge behalten und dann erst entscheiden!

In unseren Augen gibt es noch sehr viel negatives. Das viel zu hohe Verpackungsaufkommen-weshalb sich die Schadstoffersparnis durch den Nichtgebrauch eines PKW für die Natur wieder aufhebt trübt die Freude nach Einfachheit. Stundenlanges auspacken ist vorprogrammiert und viel zu volle Aschentonnen :

Als da sind Bio-Eier im Styropormäntelchen, Öko-Gemüselein in Plastikpolsteria, Schaumgiganten und Pappkartons satt. Zudem kann einem doch der Auslieferungsfahrer echt leid tun.Teuer ist es zudem auch noch : Versandkosten nach Gewicht (wieviel habe ich denn gerade in meinem „virtuellen Körbchen?“, Tiefkühlaufschlag, Expresszuschlag…

Die Effizienzüberlegung ist ebenfalls noch zu berücksichtigen : Zeitlich gesehen braucht man nämlich – wer eine solche Online-Supermarktbestellung einmal gewagt hat- auch cirka 45 Minuten.

Ist da der Gang der schlank macht, die Luft, das Leben, die Natur, der Stress an Theke und Kasse nicht doch etwas was wir brauchen? Vielleicht lernt man dabei auch wieder einen neuen netten Menschen kennen oder trifft schon längst vergessene Nachbarn oder Bekannte?

Diese Form von Mitmach-Web 2.0 wird nach unserer Meinung trotz des Online-Shopping Booms nicht sonderlich in Fahrt kommen -die Menschen wollen die Dinge „anfassen“ und sich weiter ärgern…bis bald; wir sehen uns : Im Supermarkt an der Kasse.

Euer Freizeitcafe.

Quelle: Die Zeit