Aufgrund der Tatsache, dass Snapchat im Messaging- und Social Media-App-Bereich immer stärker wurde, war der Börsengang nur eine Frage der Zeit. Zu Beginn konnte man noch von einem erfolgreichen Börsenstart sprechen – zu Beginn notierte das Wertpapier bei über 27 US Dollar. Wenige Monate später der Absturz – plötzlich lag der Aktienkurs nur noch bei knapp 12 US Dollar. Auch wenn sich das Wertpapier nach einigen Talfahrten nun scheinbar wieder etwas erholen konnte – so notiert die Snapchat-Aktie aktuell bei 15 US Dollar -, so muss doch die Frage gestellt werden, wie gut es dem Unternehmen tatsächlich geht. Denn es sind nicht nur die schwankenden Aktienkurse, die Snap zu schaffen machen – es ist auch der scheinbar nicht enden wollende PR-Alptraum, der dem Unternehmen extremen Schaden zufügte.

Wenn Tweets zu Abstürzen führen

Die letzten Wochen waren extrem turbulent. Auch wenn sich Snap noch Anfang Februar über ein Hoch freuen durfte – der Aktienkurs kletterte zwischen 2. Februar und 16. Februar 2018 von 13 US Dollar auf über 20 US Dollar -, so wurde wenig später bekannt, dass der Konzern noch immer in den tiefroten Zahlen steckt. Schlussendlich lag der Quartalsverlust bei 283 Millionen Euro. Zudem haben Rihanna und Kylie Jenner keinesfalls zur Verbesserung der Situation beigetragen. So twitterte Kylie Jenner am 21. Februar, „Ugh, das ist so traurig“, weil sie die Snapchat-App nicht mehr öffnen konnte. Im Zuge der Meldung sank der Börsenwert um 1,4 Milliarden Euro.

Zudem gab es Anfang März einen Bericht von „Cheddar“, einem Business-Portal, dass demnächst 120 Mitarbeiter des Konzerns entlassen werden würden. In weiterer Folge berichtete die „Los Angeles Times“ von einem „nicht zufriedenstellenden Betriebsklima“. Als wenn derartige Nachrichten nicht schon genug wären, gab es auch noch Probleme mit Sängerin Rihanna. Sie forderte ihre 61 Millionen Instagram-Abonnenten auf, die Snapchat-App „wegzuwerfen“. Der Grund? In einer Anzeige für ein Handyspiel wurde gefragt, ob man lieber Chris Brown boxen oder Rihanna ohrfeigen würde – die Sängerin sah in dieser rein hypothetischen Frage eine Verunglimpfung der Opfer häuslicher Gewalt. In weiterer Folge viel der Börsenwert um 485 Millionen Euro.

Gut, dass es Facebook gibt

Jedoch gibt es zwei Faktoren, die sehr wohl dafür sprechen, dass es wieder einmal bergauf gehen kann. Die jüngere Zielgruppe stehe nämlich noch immer hinter dem Unternehmen: 78 Prozent der jungen Amerikaner, die zwischen 18 und 24 Jahre alt sind, nutzen die App. Bei den 25- bis 29-Jährigen sind es immerhin noch 54 Prozent. Blickt man nach Deutschland, so zeigt sich recht deutlich, dass Snapchat sogar beliebter als Facebook ist. 9 Prozent der 12- bis 17-Jährigen nutzen Snapchat, 14 Prozent Instagram und 66 Prozent WhatsApp.

Apropos Facebook – Snapchat kann sehr wohl von dem aktuellen Chaos profitieren, denn mit Facebook gibt es ein soziales Netzwerk, das aktuell viel größere Probleme als Snap hat. Nachdem der massive Datenskandal öffentlich wurde, liefen Facebook zahlreiche User und auch Firmen davon. Selbst der US Playboy deaktivierte den Facebook-Account; auch SpaceX und Tesla verschwanden von der Plattform. Zudem haben sich auch Cher und Will Ferrell gegen Facebook ausgesprochen. Zudem wurde mit dem Hashtag „DeleteFacebook“ eine Bewegung gegründet, die nun fordert, den Account zu löschen. Snap hätte also tatsächlich nichts Besseres passieren können.

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