Am Wochenende startet die Weltmeisterschaft im Frauenfußball. Deutschland ist Ausrichter, Titelverteidiger und Favorit. Nach einer Umfrage des Magazins Kicker gehen über 70% der Befragten von einem Titelgewinn der deutschen Frauen-Nationalmannschaft aus. Trotzdem ist die Fan-Stimmung im Land bisher eher verhalten. Die Kommunikation der Frauen WM über Social Media wäre ein guter Weg zur Promotion des Großereignisses. Doch was passiert bisher im Social Media Marketing der Frauenfußball WM?

Marketing der Frauenfußball WM ohne die FIFA

Ein Besuch der FIFA Website zeigt: Der Weltverband vermarktet die Frauen WM nicht als Großereignis. Lediglich einen briefmarkengroßen Hinweis gibt es auf der Startseite der FIFA. Die Weltmeisterschaft im Frauenfußball scheint bei der FIFA einen geringen Stellenwert zu haben. Auf Facebook und Twitter fehlt die Kommunikation der Frauen WM seitens FIFA ganz. Die Chancen des Social Media Marketings nutzt der Fußball-Weltverband nicht.

Der DFB: Sommermärchen reloaded

Der Deutsche Fussballbund dagegen promotet die Frauen WM auf der offiziellen Website. Außerdem hat der DFB eine Social Media Kampagne für die WM der Frauen aufgebaut. Das Konzept Sommermärchen reloaded der Kampagne basiert auf dem WM-Film Sommermärchen von 2006. Mit Filmbegriffen als Kategorien stellt eine Facebookseite die Frauen WM vor, von „Darsteller“ (Spielerinnen) über „Drehorte“ (Stadien) bis hin zu „Regie“ (WM Komitee und Botschafterinnen). Unter der Kategorie „Mitspielen“ finden sich Infos zu Fußballclubs in Wohnortnähe und Volunteer-Jobs bei der WM. Mit interaktiven Aktionen werden die Fans zum Mitmachen angeregt. So kann beispielsweise ein Fan-Abzeichen der Frauenfußball WM ins eigene Profilbild integriert werden.
Stetig wächst die Zahl der Fans von Sommermärchen reloaded, aktuell sind es 24.000. Mitverantwortlich für diesen Erfolg ist der stets aktuelle Content der Seite. Fast täglich gibt es auf der Pinnwand Neuigkeiten und Videos aus dem Team der Spielerinnen. Zusätzlich zur Weltmeisterschaft promotet der DFB mit Links Stars der Mannschaft wie Fatmire „Lira“ Bajramaj.

Best practice: Das Marketing der Spielerin Lira Bajramaj

Die Mittelfeldspielerin Lira Bajramaj ist der Shooting-Star der deutschen Frauenfußball-Mannschaft. Aber auch das Marketing der Sportlerin hat Vorbildcharakter. Liras Facebook-Fanpage wird von Nike betreut und hat 19.000 Fans. Täglich gibt es dutzende Kommentare auf Liras neueste Posts. Mit der Facebook-Seite verbindet Nike geschickt Infos für Fußballfans mit dem Marketing eigener Produkte.

Produktmarketing mit Social Media

Kurz vor der WM rief Lira ihre Fans zu einer interaktiven Aktion auf. Sie bat darum, Design-Ideen für ihre Fußballschuhe bei der WM zu entwickeln und diese über Facebook einzureichen. Mit der Anwendung NikeiD können Nutzer im Internet verschiedene Produkt-Elemente virtuell kombinieren. Liras Fans designten auf Facebook so einen personalisierten Fußballschuh für ihr Idol: Social Media Marketing par Excellence. Denn dabei setzten sich Sportbegeisterte mit den Schuhen, Designs und Materialien von Nike auseinander. Die Resonanz auf die Aktion war groß, hunderte Fans schickten ihre virtuellen Designvorschläge ein und diskutierten die verschiedenen Styles im Netz. Mit Spannung wurde Liras Entscheidung erwartet und kommentiert.

Social Media Marketing mit App und Aktionen

Die Facebook-Seite ermöglicht Fans, der Sportlerin auch im Real Life zu begegnen. Im Seitenbereich „Lira’s Nike Training Club“ können sich Sportfans für Workout-Events mit der Fußballerin anmelden. Die Trainings werden in verschiedenen Städten in Deutschland angeboten. Mit einer kostenlosen Trainings-App können Fans auch das tägliche Training mit Liras Sponsor gestalten. Die App soll neben Spaß am Workout sportlichen Lifestyle vermitteln und ist ein weiterer Aspekt des Social Media Marketings von Nike.

Die „Make Yourself“ Kampagne: virales Marketing der Frauen WM

Nike nutzt mit der Kampagne „Make Yourself“ virale Effekte für das Social Media Marketing der Frauen WM. Im Videospot „Lira’s Manifest“ präsentiert die Spielerin Lira Bajramaj Frauenfußball als dynamisch, stylisch und sexy. In Musikclip-Ästhetik textet Lira: „Cool anziehen, das Tempo anziehen, zielen, abziehen, verwandeln, austanzen. Das ist unser Fußball.“ Neben sportlichen Zielen spricht das Manifest immer wieder die Position von Frauen in der Gesellschaft an und fordert Frauenpower.
Die letzte Einstellung des Spots zeigt die URL von Liras Facebook-Seite. Damit weist der Spot an prominenter Stelle auf die Social Media Präsenz der Fußballerin hin.

Ein langer Weg bis hierher

Auf immer mehr Plätzen,

schließen uns zusammen

auf der Straße, in Clubs

und auf Netzen. […]

Welt, nimm dich in Acht

Denn wir kommen an die Macht. […]

Meine Mädels und ich, wir werden an die Spitze ziehn/

Wie die Chefin in Berlin demnächst die Strippen ziehn.

Viraler Synergieeffekt: die Vernetzung der Stars Bajramaj und Özil

Nicht nur Lira’s Manifest promotet die Facebook-Seite der Fußballerin. Im Sinne des Social Media Gedankens vernetzt Nike Lira Bajramaj mit dem Fußballstar Mesut Özil, der ebenfalls bei Nike unter Vertrag ist. Er hat ganze 2.6 Millionen Fans und pusht mit seiner Popularität auch die Seite von Lira. Immer wieder kommentieren die beiden Stars gegenseitig die anstehenden Spiele.

Statusmeldung Özil 25.5.

Hey Leute, heute Abend drücke ich die Daumen für Lira Bajramaj. Sie kann echt einiges, nicht schlecht für ein Mädchen, oder?

Über zehntausend Likes bekam Mesut Özil für diesen Post. Zusätzliche Synergieeffekte schaffen die  Nike-Spots mit dem Titel „Nicht schlecht“. Mit den Doppel-Spots verweisen die beiden Spieler aufeinander und Nike promotet weiter ihre Facebook-Seiten.

Fazit

Der Weltverband FIFA lässt die Möglichkeiten des Social Media Marketings für die Frauenfußball WM außen vor. Auf Seiten des Deutschen Fußballs ist der DFB mit seiner Facebook-Kampagne einen großen Schritt weiter. Wirklich überzeugend aber vermarktet Nike die Frauen WM. Nicht nur über Facebook, sondern mit viralen Spots, einer App und interaktiven Aktionen spielt Nike erfolgreich Produkt- und Spielermarketing in Social Media. Es gelingt dem Sportkonzern, den als unweiblich verschrienen Frauenfußball als stylisch und sexy zu promoten. Die Frauen WM in Deutschland profitiert von der Erfolgskampagne, zu der man Nike nur beglückwünschen kann. Da bleibt nur noch, Lira und ihren „Mädels“ auch für den fußballerischen Erfolg das letzte Quäntchen Glück zu wünschen.

Quelle: netz-reputation.de