Von Blasen ist an der Börse fast immer die Rede – wenn gerade keine akut ist, dann wird die nächste gesucht. Denn vor dem Platzen kommt immer der Hype, und während der läuft, lässt sich gewaltig Geld verdienen.

Die Konvergenz zu den klassischen Medien ist eindeutig : Social Media ist schwer überprüf-und einschätzbar, was folgende Abbildung Euch sehr schön verdeutlicht :

Hoffnung wie Angst machen derzeit die Unternehmen der Generation Web 2.0: Facebook, Linked In, Twitter und Co. Viele Marktbeobachter sehen die Blase schon anschwellen, und der Vergleich zur DotCom-Blase der 90er-Jahre ist allgegenwärtig. Doch belegen lässt sich der nicht. Analysten und Experten sind sich in einem Punkt einig: Diese zweite Generation von Internetunternehmen ist zwar spekulativ. Doch dass dieser Markt in sich zusammenbricht und die Aktienkurse kollektiv in die Tiefe reißt, das wird kaum passieren.

Anleger verunsichert, dass Risiko und Börsenwert nur schwer zu überprüfen sind. Viele der Unternehmen veröffentlichen keine Geschäftszahlen. Start-ups sind die meisten von ihnen allerdings schon lange nicht mehr. „Die Anleger setzen hier auf Unternehmen, die teils sehr ausgereifte Geschäftsmodelle haben. Das Besondere ist, dass trotzdem nicht gewährleistet ist, ob sie in zwei Jahren nicht schon wieder weg vom Fenster sind“, sagt Alexander Braun, Analyst bei Montega.

Das Internet ist schnelllebiger als die Industrie, die Einstiegsbarrieren für neue Unternehmen sind niedrig, und nirgends können Kunden so schnell von einem Angebot zum anderen wechseln wie im Internet. Dabei formt sich die Social-Media-Landschaft gerade erst: Google Plus macht neuerdings Facebook und Linked In gleichzeitig Konkurrenz ,indem es Karriere- und privates Netzwerk in einem Portal verbindet, trotzdem aber sauber voneinander abgrenzt.

Facebook dürfte daher beim eigenen Börsengang jetzt aufs Gaspedal treten. „Das Zeitfenster ist jetzt offen, in dem es aus dem Börsengang viel Geld herausholen kann, doch das hält nicht ewig“, sagt Analyst Braun. Dieses Zeitfenster ist die Zeit des Hypes: Mehrere Marktbeobachter bestätigen, dass sich die Bewertung der Web-2.0-Unternehmen nicht unbedingt an den Finanzwerten orientiert, sondern an der Bewertung der Gorillas dieser Gruppe. Alle anderen werden dann ins Verhältnis gesetzt.

Derzeit ist Facebook eindeutig der Kandidat, der die ganze Branche mit nach oben treibt. Zwar ließ schon der fulminante Börsenstart des amerikanischen Karrierenetzwerks Linked, der das Unternehmen mit 4,3 Milliarden Dollar bewertete, die Anleger staunen. Doch Facebook wird das bei Weitem in den Schatten stellen: Facebook soll lange vor dem für 2012 erwarteten Börsengang schon 85 bis 100 Milliarden Dollar wert sein.

Allerdings sind die 4,3 Milliarden Dollar bei Linked In auch schon lange Geschichte. Mittlerweile ist das Unternehmen bei einem Börsenwert von 9,8 Milliarden Dollar angekommen. In dieser Liga spielt auch der Kurznachrichendienst Twitter. Dessen außerbörsliche Bewertung ist seit Anfang des Jahres von 3,7 auf sieben Milliarden Dollar hochgeschossen – und das bei nur 500 Mitarbeitern. Das amerikanische Marktforschungsunternehmen eMarketer sagt Twitter für dieses Jahr 150 Millionen Dollar Werbeeinnahmen voraus, dreimal mehr als 2010. Doch selbst das wäre im Vergleich zum geschätzten Unternehmenswert noch mehr als dürftig.

Bis zu einem Börsengang will sich Twitter noch Zeit lassen, Zahlen und Geschäftsmodell sollen solide sein. In den Startlöchern stehen dagegen derzeit Zynga und Groupon. Beide Börsengänge werden gegen Ende des Jahres erwartet.

Soziale Netzwerke sind wie Emerging Markets

So gut die Stimmung der Anleger ist, garantiert sind Erfolge nicht. Das zeigt Renren, das „chinesische Facebook“. Beim IPO Anfang Mai kosteten die neuen Aktien 14 Dollar. Nach einer kurzlebigen Begeisterung fiel die Aktie auf gut sechs Dollar und hat sich jetzt um die zehn-Dollar-Marke eingependelt. Auch das Internetradio Pandora konnte die Begeisterung um den Börsenstart Mitte Juni nicht lange nähren.

Dass die Ernüchterung bei einigen Unternehmen so schnell eintritt, deutet auf einen volatilen, aber relativ realistischen Markt hin. Abschrecken lassen sich die Anleger davon aber nicht. Zu groß ist die Hoffnung auf weitere lukrative Börsengänge. Web-2.0-Unternehmen sind ein Wachstumsmarkt mitten in den angeschlagenen Industrienationen, sie bieten Gewinnchancen, die in diesem bekannten Umfeld sonst kaum zu finden sind – gerade in Krisenzeiten.

„Die Bewertung von Web-2.0-Unternehmen ist heute sehr rational“, sagt Harald Eichsteller, Professor an der Hochschule für Medien in Stuttgart. „Sie basiert aber nicht nur auf dem aktuellen Erfolg, sondern richtet sich viel stärker danach, wie viel Luft noch drin ist.“

Wer im Zeitfenster des Hypes Gewinne mitnehmen will, sollte nicht nur auf Facebook und Google schauen, sondern auch auf kleinere Spieler. Einige Unternehmen der Generation Web 2.0 sind Gestalter und daher die offensichtlichen Erfolgskandidaten. Sie setzen den Standard dafür, was eine Social-Media-Plattform können muss und wie das Internet personalisiert wird. Google und Facebook sind zwei solcher Firmen. Andere wiederum sind Anpasser. Sie machen sich die Erfolge anderer zunutze, um ergänzende Produkte zu liefern. Ein solcher wäre Zynga, welches das populäre Facebook-Spiel Farmville anbietet.

Web-2.0-Unternehmen müssen keine Gestalter sein, um am Aktienmarkt Erfolg zu haben. „Es gibt auch kleine, schnelle Unternehmen, die gute Chancen auf Erfolg haben“, sagt Eichsteller. Denn schlaue Anpasser sind nicht zu vergleichen mit den Dotcom-Buden, deren Geschäftsmodelle weder Hand noch Fuß hatten.

Quelle :

handelsblatt.com

Bildquelle :

http://mitra.ch/2010/12