Crowdfunding- ist das für jeden was?Wir vom Freizeitcafe sind ein kleines, lokales Marketing Instrument für viele Unternehmen in der Umgebung- und ein nützliches für die, die kostenlos Freizeit suchen und finden werden. Insgesamt auch eine sehr kostengünstige Marketing- Unterstützung für das Revier und darüber hinaus. Ein wirklich soziales Miteinander – Win Win für jeden. Das kommt gut an egal wo wir sind.

Grund genug auch mal das Crowdfunding – die finanzielle Spenden-„Unterstützung“ aus dem Netz ins Auge zu fassen. Man kann ja nur „finanziell wachsen“ daran, oder? Und jetzt mal ehrlich: Jedes StartUp braucht – wie wir mit dem Start am 1.6.2016 für die Freizeitcafe.com doch Geld!

Und bei den großen Crowdfunding-Plattformen steht ja immer in ganz großen Lettern „sich von der Masse finanzieren lassen.“ Hierbei muss man „nur“ die „kritische Masse“ erreichen! Wie auch immer man sich diese „große Masse“ vorstellen mag…

Auch die WAZ hat die Tage dieses Thema aufgegriffen und uns vom Freizeitcafe explizit mit den „erreichten“ 50 Euro statt 16.785 Euro als Ziel genannt, was uns natürlich sehr freut – eher ein zusätzlicher, gelungener Werbeeffekt durch die lokale Presse für uns… 

Aber das Crowdfunding an sich? Ist das wirklich für jedes Unternehmen etwas? Wir stellen das eindeutig in Frage! Hier ein kleiner Erfahrungsbericht von uns darüber:

Gesagt, getan, ausprobiert- wir haben auf visionbakery (der zweitgrößten nach Kickstarter) wie auch dem noch eher kleineren leetchi einmal unsere tägliche Arbeit hier veröffentlicht. Die genau abgesteckte Zielgrupe Freizeitanbieter, wie auch die Freizeitsuchenden standen bei uns im Fokus der Beschreibung…

Zunächst schwingt immer diese Hoffnung mit – für die Idee beispielsweise. Die ist doch gut- das MÜSSEN alle erkennen. In dieser Phase der „Gründung“ hatte ich sogar schon 2 Erklärvideos über uns produziert – eines für die Unternehmen und eines für die Freizeit-User.

Wir hatten uns schöne Dinge ausgedacht: Für jeden Unterstützter als Gegenleistung T-Shirts, Tassen, Kullis, gratis-Treffplätze ab einem bestimmten Beitrag und und und…. auch damit muss man in Vorkasse gehen – aber die Crowd, ja die wird das schon gegen-finanzieren!

Ganz nach dem Motto: „Früher war mein soziales Netzwerk draußen“- gingen wir dann euphorisch ans Werk! 

Dann aber das große Erwachen: Die geschnupperten 55 Tage Crowdfunding Luft brachte uns nicht (!) über die Beitrags-Hürde: Insgesamt kamen über die beiden „angesagten“ und angeblich so „sozialen“Plattformen marginale 100 Euro zustande.

Zu unserem Glück nahmen beide Anbieter (vorher recherchiert) keine Gebühren dafür. Im Falle eines Erfolges (also alles über die 16.785 Euro) , hätte man sich dort aber auch ordentlich etwas in den „tausenden“ vom Kuchen abgeschnitten. Bei anderen Anbietern wäre auch das „einstellen“ mit Kosten verbunden gewesen. Soviel zur Gründer-Freundlichkeit…

Nun kann man als Gründer/Betrachter dieser „Crowdfunding- Geschichte“ im Anschluss folgendes denken:

A) Hm… meine Idee wird nicht angenommen. Ich bin schlecht. Ich lebe nicht in der richtigen Zeit. Ich ziehe mich zurück, weine bitterlich und gebe alles auf!

oder

B) Hey ein Versuch war es wert, wir hatten einen starken Backlink von der Seite und ein wenig Zulauf von Menschen/Besuchern, die sich so nicht zu uns ver-irrt hätten. Womöglich wurde sogar der ein oder andere Fan/Leser/Mitmacher dazu gewonnen.

Ich entschied mich weiterhin positiv gestimmt für die letztere Variante, erschuf hier im Freizeitcafe-Blog (& für meine spezielle Zielgruppe, die mir & diesem Blog seit fast 6 Jahren vertraut) einfach eine eigene Spendenseite.

Auch erzählten wir vom Misserfolg beim „großen Crowdfunding“- und schwuppdiwupps…in nur wenigen Tagen; genauer gesagt 10 Tagen hatten wir mehr als 500 Euro eigene Spendengelder gesammelt. Kurzum: Man ist „selfmade“ oft besser dran 🙂

Nun wäre ich aber nicht der, der ich bin – wenn ich nicht weiter recherchiere: Sind wirklich ALLE Unternehmen so finanziell gehyped und gepushed – und nur wir die „augenscheinlichen Verlierer“ in diesem „anscheinend“ so erfolgreichen Crowd-Hamsterrad?

Hier ein paar Fakten, die mich selbst überraschten:

  • Gescheitertes Crowdfunding macht selbst vor großen Namen nicht Halt: Sängerin Björk beispielsweise. Im Jahr 2013 wollte sie 375.000 Pfund für eine Musik-App einsammeln. Nach 15.000 Pfund wurde dann irgendwann selbst abgebrochen mit der Begründung „es wurde nicht genug promoted.“ Ähm…Moment mal…da ist ein Musik-Weltstar und der hat nicht richtig „promoted“? Allein der Name…also muss man doch zeitgleich wohl eine Menge Geld als Jung-Gründer zusätzlich in die Hand nehmen um durch eine Crowd „erhört“ zu werden? Scheint so…und was ist, wenn man dieses Geld gerade nicht zur Verfügung hat? Nur reich und reich gesellt sich gern? Sehr traurig…
  • Die Crowd-Anbieter geben als „Grund für das Scheitern der Kampagne“ unter anderem oft an, dass zu wenig personalisierte Geschenke für kleine Spenden angeboten wurden. Wobei wir wieder bei einer Vorab-Finanzierung der Gründer wären. Und was macht man bitte mit den „personalisierten Geschenken“, die man für die Crowd eingeplant/bezahlt hat- wenn diese nicht mit-zieht? Der Kelch wird also einfach weiter gegeben…
  • Mangelhafte Vorbereitung, fehlende Innovation bei der Idee, ein Überschätzen derselben sowie schlechte Kommunikation werden ebenso oft genannt- was aber auf die meisten Gründer (wie auch uns) einfach nicht zutrifft!
  • Von den Top-50-Projekten nach Finanzierungssummen in den letzten Jahren liefen nur 8 Projekte(!) weiterhin erfolgreich bis heute. Für viele andere „erfolgreiche“ kam das Aus. Man hatte sich trotz gelungenem Crowdfunding einfach ver-kalkuliert.
  • Hier ein Leckerbissen: Kickended.com listet mehr als 11.276 Kickstarter-Projekte auf, die komplett schiefgegangen sind- sprich mit 0 Dollar rausgingen. Ich denke, das ist nur die Spitze vom Eisberg! 🙂
  • Etwa 40 Prozent aller beworbenen Projekte sind erfolglos!
  • Meines Erachtens auch ganz wichtig: Jeder Anleger muss wissen oder weiss, dass es sich bei jedem Crowdfunding-Projekt um ein schieres „Risiko-Investment“ handelt. Das Geld kommt also nie zurück! Ich denke so Menschen wie Maschmeier und Co., die auch heute Abend in der Höhle der Löwen auftreten bei VOX würden zu 99,9% ohne reale Zahlen und Co. dahinter nie ein Investment in Crowdprojekte wagen – denn:
  • Die Ideen können scheitern, ganz gleich wie gut die Idee oder das Video sein mögen – und dann ist das Geld des Investors einfach weg. Und nur um Geld geht es den meisten – oder dass sie dieses möglichst schnell zurück bekommen. Heuschrecken halt.

Mein Fazit hier im Freizeitcafe:

Ich atme soeben hörbar auf! Die Last fällt ab- denn: Wir sind überhaupt nicht erfolglos! Sofern man mit Gründung am 1.6.2016 überhaupt davon sprechen könnte! Der kleine, gescheiterte Crowdfunding Ausflug für uns – und hoffentlich auch für viele andere nach diesem Artikel hier- ist noch lange nicht aller Tage Abend. Auch sollte man ein Crowdfunding-Ergebnis nach besagten Fakten (ob finanziert oder nicht) einfach nicht zu hoch bewerten.

Wenn man etwas mit Leidenschaft und Herzblut macht, sollte man dabei bleiben. Der (finanzielle) Erfolg stellt sich oft erst nach Jahren harter Arbeit- also immer eher langfristig ein – egal ob man in der „Crowd“ Erfolg hatte oder nicht.

Wie ich in der WAZ so schön sagte „Unsere Zeit kommt erst noch“ – ist also alles in Butter. Und die App kommt trotzdem dieses Jahr, die Verbesserung einer Community ist in kleinschrittiger Entwicklungsarbeit oft intensiver, ehrlicher und funktionaler für alle.

Jeder von den WAZ-Lesern ist natürlich herzlich hier zum spenden eingeladen für unser Projekt. Vielen Dank für Deine/Ihre Aufmerksamkeit. Smartphone aus und raus – herzlich Willkommen im Freizeitcafe! 

Bildquelle: CCO Public Domain via Pixabay by stevepb