Im Social Media Bereich  und im Zusammenhang mit dem Web 2.0 fällt oft der Begriff „Shitstorm“. Was bedeutet dieses Kuriosum absurdum eigentlich und woher stammt es? Unzählige Social Media Zitate sind bereits voll mit diesem Begriff – wir klären Euch auf was dahinter steckt :

Der Ursprung

Shitstorm setzt sich aus den englischen Begriffen Shit und Storm zusammen.(fast schon gedacht) Shit steht in diesem Zusammenhang für einen in der Tonalität unanagebrachten Beitrag eines Users, Storm symbolisiert die Anzahl dieser unsachgemäßen Äußerungen. Jeder Shitstorm entwickelt eine eigene Dynamik und kann sich aus sich heraus entwickeln oder aber auch von organisierten Gruppen initiiert werden. Zur Verbreitung eines Shitstorm tragen unter anderem auch etablierte Online-Medien und -Präsenzen bei, welche die Sachlage kommentieren statt zu beobachten.

Entstehung & Eigenschaften

Ein Shitstorm stellt einen Angriff auf die Reputation eines Unternehmens dar. Im „klassischen“ Sinne wird ein Reputationsangriff mit Bedacht gestartet, z.B. durch eine negative Bewertung nach einer schlechten Nacht in einem Hotel oder einer negativen Produktbewertung auf einem Online-Shop. Einer Beschwerde im Web 2.0 geht in der Regel eine direkte Beschwerde des Kunden beim Anbieter selbst voraus. Wird dort nicht zufriedenstellend geantwortet, verlagert sich die Kritik häufig ins Internet. Durch Blogs und soziale Netzwerke wie Facebook, auf denen sich Unternehmen mit eigenen Profilen präsentieren, können User direkt Kommentare abgeben und so dem Unternehmen öffentlichkeitswirksam die Kritik mitteilen.

Findet eine Kritik Bestätigung durch weitere Geschädigte, entwickelt sich durch die vielfältigen Kommunikationswege des Internet eine Eigendynamik, die sich auf verschiedene, populäre Webseiten und Netzwerke im Internet verlagert. Die Kritik wird zunehmend unsachlich und emotional geäußert und ist dadurch nur schwer wieder zu beruhigen. Die Moderation eines Shitstorm stellt für Social Media Manager eines Unternehmens die wohl schwierigste Aufgabe der Krisenkommunikation dar.

Im Verlauf eines Shitstorm übertönen Beschimpfungen und Beleidigungen jegliche Form von sachlicher Diskussion. Häufig verstärken Unternehmen oder Mitarbeiter der Unternehmen einen Shitstorm, in dem unbedachte Aussagen gemacht werden oder wenn Mitarbeiter ohne vorherige Rücksprache im Namen des Unternehmens auftreten. Jegliche Äußerungen, ob von der Seite der Angegriffenen oder der Netzgemeinschaft, haben das Potenzial, einen Shitstorm neu zu entfachen, selbst wenn diese über wenig bis gar keine Substanz verfügen. Auch ein „durchgestandener“ Shitstorm hat durch die Archiv-Funktion des Internets das Potential, durch einen neuen Kommentar auf einen alten Beitrag wieder in Gang gesetzt zu werden.

Beispiele

Der Shitstorm ist ein Phänomen, dass gerade in der jüngeren Vergangenheit häufig in Erscheinung trat. Die betroffenen Unternehmen und Einzelpersonen sahen sich dabei häufig mit großen Reputationsschäden konfrontiert.

  • Pril steht seit Jahrzehnten für Spülmittel und seit Frühling 2011 für einer der größten deutschen Online-PR-Debakel. Henkel hatte die Community aufgerufen, kreative Design-Vorschläge einzusenden, die von der Netzgemeinschaft bewertet werden konnten und zukünftig die Pril-Flasche zieren sollten. Nach kurzer Zeit befanden sich fast ausschließlich absurde Vorschläge auf den ersten Plätzen. Nach einer Bereinigung der Ergebnisliste, die Henkel mit einer angeblichen Manipulation der Abstimmung erklärte, tauchten die vormaligen Design-Spitzenreiter nur noch abgeschlagen wieder auf. Die Community war erzürnt und für Henkel entstand ein großer Imageschaden.
  • Die Umweltorganisation Greenpeace fand Anfang 2010 heraus, dass bei der Palmöl-Produktion für Nestlés Produkt KitKat Lebensräume von Orang-Utans zerstört und die Population der Primaten dadurch gefährdet wurde. Greenpeace startete daraufhin eine Social Media-Kampagne gegen Nestlé und KitKat und produzierte zusätzlich ein abschreckendes Video. Dass diese Kampagne zu einem Shitstorm wurde, lag unter anderem an Nestlé selbst. Durch das Abschalten von Fanpages und vor allem durch das Verbieten des Videos, setzte der sogenannte Streisand-Effekt ein. Das Video wurde mehrfach neu hochgeladen, die Kampagne gewann an Bekanntheit und Nestlé erfuhr einen großen Reputationsschaden. Mittlerweile hat sich das Unternehmen durch öffentlichkeitswirksame Gegenmaßnahmen wieder erholt.
  • Im Herbst 2010 wollte die Deutsche Bahn über ihre Facebook-Fanpage das sogenannte „Chef-Ticket“ anbieten. Die Teilnehmer konnten sich für 25€ ein Ticket sichern, mit dem man durch ganz Deutschland fahren konnte. Die Plattform wurde allerdings vornehmlich für einen Shitstorm genutzt, da sich die User weniger über das Chef-Ticket freuten, sondern vielmehr ihrem Ärger über die Deutsche Bahn Luft machten. Der Verzicht auf jegliche Kommunikation oder Mediation mit der Community machte aus der Kritik einen Shitstorm und bescherte der Deutschen Bahn ein PR-Debakel.

Dass ein Shitstorm auch Einzelpersonen treffen kann, beweist das Beispiel der erst 13-jährigen Rebecca Black. Die Eltern der jungen US-Amerikanerin ließen für wenige Tausend US-Dollar ein Musik-Video produzieren und stellten dieses auf Youtube ein. Die Resonanz war überwältigend: 44 Millionen mal wurde das Video zum Song „Friday“ innerhalb kürzester Zeit angeklickt und mit zumeist diffamierenden Kommentaren versehen. Die große Kritik an Black brachte der Künstlerin allerdings einen neuen Plattenvertrag ein und nutzte so die unsachgemäße, aber popularitätsbildende Kritik der Community…

Quelle : http://de.wikipedia.org/wiki/Shitstorm