Freizeitmangel. WhatsApp Sucht und Smartphone Sucht – die Crux unseres durchgetakteten Alltags. Als ich früher nach der Schule und den Hausaufgaben noch Zeit hatte, habe ich mich mit meinen Freunden verabredet. Draußen – an der Sonne.

Mein „Soziales Netzwerk“ war draußen!

Abgesagt wurde meistens nie (es sei denn, man war wirklich krank) & wer nicht kam, oder was besseres vor hatte als „mit uns draußen den Ball zu pölen“ (pölen bedeutet im Ruhrpott„Fußball spielen“)- war halt unten durch. Man konnte halt nicht 2 Minuten vorher kurzfristig und unsozial via WhatsApp absagen. Man musste zum Telefonhörer greifen & kommunizieren (sprechen miteinander!)

Auch waren die Feten anders. Man wusste nicht immer schon alles im Detail weit vorher. Es sei denn man hatte darüber „am Telefon gesprochen“ – oder von Gesicht zu Gesicht (ohne Gesichtsbuch). Dass man heute immer schon alles durch WhatsApp Gruppen und Co. schon vorher weiß, zerstört so manchen „Feten-Zauber“.

Naja, es kommt halt auf die Freunde an. Früher war natürlich nicht alles besser. Aber früher wusste man eher, wer die Freunde waren- denn sie verbrachten sehr sehr viel Zeit miteinander. Real, vor Ort, statt virtuell. Auch wenn man nur „zockte“- traf man sich.

Die „gefühlte“ Zeit heute hingegen ist relativ geworden, geht oft schneller vorbei als einem lieb ist.

Die Schüler von heute sind so durchgetaktet und überfrachtet mit Technik, Druck und dem Wahn schneller, besser, reicher, schlauer und immer schöner als andere zu sein – dass ihnen kaum Zeit und Raum zum nachdenken darüber bleibt, was sie da eigentlich tun.

Echte Freizeit mal ohne das Internet, freie Zeit generell – all das ist Mangelware. Dabei ist die Freizeit doch die Ware, die so wichtig zur Lebens- Findung ist . Freizeitmangel hat diesen Platz nun eingenommen – und ich weiß echt nicht, ob das so ein Vorteil ist für die nachfolgenden Generationen und/oder uns selbst.

Ich will für Euch mal in die Tiefe gehen, warum das alles so gekommen ist: 

Der Generation von heute, die wir Millennials nennen, wurde immer wieder gesagt, sie seien etwas ganz besonderes. Ihnen wurde gesagt, sie können alles haben, nur weil sie es wollen.

Diese Gruppe beendet also die Schule und bekommt einen Job, und dann finden sie heraus, dass sie nichts besonderes sind. Ihre Mütter können ihnen keine Beförderung geben. Und man bekommt sie eben auch nicht nur, weil man sie will. In nur einem Moment also ist Ihr ganzes Selbstbild zerstört…

Fazit: Es gibt nun eine ganze Generation, die mit einem kleineren Selbstwertgefühl aufwächst als wir (die früheren Generationen). Wir wachsen in einer künstlich, bunten Facebook-Instagram-Welt auf und heran.

In anderen Worten ausgedrückt: Wir sind echt gut darin, Filter über Dinge zu legen, wir sind gut darin Leuten zu zeigen wie toll das Leben ist, selbst dann, wenn wir deprimiert sind.

Und dann kommt noch die Technologie dazu. Und diese Geschichte der ewigen, technischen Neuerungen in einer Rasanz mit künstlicher Intelligenz, Ausspähung und ganz viel Konsumpsychologie dahinter gepaart , die es in einer solchen Form nie zuvor gab, hinterläßt noch andere „Leichen“und vor allem „Suchtformen“: 

Wenn wir uns täglich mit Social Media und dem Handy beschäftigen, setzt das in uns Dopamin frei.

Darum fühlen wir uns gut, wenn wir eine Nachricht bekommen. Darum zählen wir unsere Likes. Man weiss, dass sie uns einen Dopamin-Flash geben & das fühlt sich gut an. Das schlimme daran: Dopamin gibt uns auch ein gutes Gefühl wenn wir rauchen oder trinken (!)

Kurz gesagt, nicht mehr, nicht weniger: Freizeitmangel und das Netz führen zu mehr Unzufriedenheit mit uns selbst. Der Wettstreit mit anderen; dieses ständige nachjagen nach dem Erfolg und dem „hier bin ich“ muss nicht sein – ist aber höchst interessant für das eigene Ego. Und das zapft Zuckerberg so genial an. 

Es – „das Facebook“ unserer Tage, unser „Gesichts-Spiegelbild“ macht extrem abhängig.

Zuckerberg weiss das. Und nutz genau das schamlos aus. Wir nutzen etwas kostenlos und sind bereits schon freiwillig (!) dadurch Opfer der Werbebranche und deren einträglicher Kauf-Psychologie. Wir sind mittlerweile auswertbar und wollen alles jederzeit mitbekommen. Deshalb liken wir wie die verrückten alles, was uns gefällt. Eigentlich totaler Blödsinn, oder?

Und das ist auch der Grund, warum 20% aller Jugendlichen mitten in der Nacht noch Facebook und WhatsApp „checken müssen“- obwohl sie eigentlich schlafen sollten. Ihnen allen wurde anerzogen, dass sie etwas „verpassen“ könnten. Das Unterbewußtsein wurde manipuliert.

Zu viele junge Menschen wissen nicht, wie man ernsthafte Bindungen aufbaut. Sie geben zu, dass viele Ihrer Freundschaften oberflächlich sind. Dass sie sich nicht auf Ihre Freunde verlassen können. Sie haben zwar Spaß mit ihnen, aber sie wissen auch, dass Ihre Freunde ihnen absagen werden, wenn etwas besseres daherkommt.

Wenn Sie also wirklich „Stress“ haben, wenden Sie sich nicht an einen Menschen, sondern gehen an ein technisches Gerät. Dann ist da noch die Ungeduld. Sie wachsen in einer Welt auf, in der alles schnell und leicht zu bekommen ist. Und ein Date zu kriegen, muss man nicht einmal mehr lernen, wie man eine Person anspricht. „Wische einfach nach rechts- Bang!-Ich bin der King!“ (In Anlehnung an diverse Love-Apps).

Alles was man will, kann man sofort haben. Außer Befriedigung im Job und starke Beziehungen. Dafür gibt es keine App.

Was die junge Generation also lernen muss, ist Geduld. Dass einige Dinge, die wirklich zählen, wie Liebe, Berufliche Erfüllung oder Glück, Zeit brauchen.

Ich hoffe für Euch, für mich und für andere, dass sie genug freie Zeit, viel Freizeit haben. So ein Freizeitmangel ist doch schrecklich in dieser durchgetakteten Online- wie Offline-Welt. Man sollte dafür kämpfen, dass man wieder mehr Freizeit hat.

In dem Sinne: Schönes Wochenende; ich koche gleich für meine liebsten und freue mich auf Spaß, Unterhaltung und nicht-virtuelles Gespräche. Denkt mal drüber nach, was bleibt.

Bildquelle: CCO Public Domain via pixabay by amykins & via pixabay by natureaddict