Blogger und Bloggerinnen. Sie beglücken uns- oft täglich- mit neuen Artikeln, Sichtweisen, Innovationen, Gedanken, Tipps & Tricks, Mode, Beauty, viel Herz und noch mehr. Dazu gehört Leidenschaft für Texte und Sprache, ständige Motivation irgendwann den besten Artikel seines Lebens zu schreiben, Fotokunst, oder schlichtweg nur Hobby-Pflege ganz nebenbei- aber oft richtig gut!

Reich werden tut man (noch) nicht als Profi- und Hauptberufsblogger- wir hatten das hier einmal gesondert aufgegriffen. Aber in Deutschland ist man zumindest auf dem Weg, die Wege für Blogger „leichter“ zu machen: Immer mehr Blog-Vermarkter- Plattformen schiessen aus dem Boden wie Pilze. Man will Blogger & Firmen zusammenbringen. Gegen Cash, Aufmerksamkeit & des besseren Images der Blogger wegen. So heisst es. Aber wird man wirklich belohnt?

Blogger und Bloggerinnen sind im Grunde genommen die kreativen Deutschlands. Medial offensichtlich ist das allerdings noch nicht (wirklich) in der Gesellschaft angekommen & dazu sagen wir:

Stehen wir (ich eingeschlossen) also noch in der Wüste – weit entfernt von der Oase & ist der Weg noch mit zu vielen Vorurteilen zum bloggen gepflastert? Wir vom Freizeitcafe haben einmal recherchiert & genau diese Thematik die letzten 2 Monate einmal genauer auf anderen Blogs/in Artikeln/ in der Presse/TV beobachtet & für Euch ausge- wertet.Unser Einstieg: Richtig tolle Artikel anderer Blogger, die sich genau damit auseinandersetzten:

Fangen wir an mit Horstson – einem tollen Blogarchiv von 5 Bloggern/ Bloggerinnen zum Oberthema „Männermode, Möbel, Music“. Genau dort wurde Anfang Januar eine geniale Bestandsaufnahme zum bloggen in Deutschland geschrieben. Wir zitieren:

„Viel zu viele tüteln bei den prätentiösen Versuchen an Frittierter Butter rum, die immer misslingen, und haben noch nie ordentliche Bratkartoffeln online gestellt.“

Für mehr Fleiß und Ausdauer wird dort plädiert; „Geldhähne für SchnullibloggerInnen und alle offensichtlichen PR-Blogs“ abdrehen wird gefordert. Es geht schliesslich um das Gesamt-Bild in Deutschland. Eine gewagte, aber abgrundtief ehrliche Aussage- welche wir Euch einmal mit folgenden nächsten Beispielen klarmachen/unterstreichen wollen…

Ihr alle kennt sicherlich die Sendung Auf und davon auf Vox. Gezeigt wird zur Zeit eine 16-jährige „Modebloggerin.“ Die mediale Reichweite dieses TV-Formats ist bekannt- schliesslich wurde eine Frau Katzenberger daraus geboren. „Modebloggerin Tanja“ also….schaut man sich Ihren Blog jedoch an (und das soll keine Kritik sein, denn jeder fängt mal an), findet man englische Schreibweise, schöne Selbstportrait-Shootings & all das, was einen Menschen in diesem Alter halt beschäftigt. Die Kategorie „Modebloggerin“ kommt mir allerdings zu gewagt daher….. ich sehe eher eine Hobby-Bloggerin, die sich gerne zeigt.

Menschen, die nun nicht wissen, was ein Blog ist- und das sind ziemlich viele (!) in Deutschland (denn nur 15% der Internetnutzer geben an, Webblogs überhaupt zu lesen beziehungsweise zu wissen, was so ein Blog überhaupt ist)- kommen nun auf folgende, sehr vereinfachte Formel: Blog = Fotos seiner selbst plus 3-4 Sätze, fertig !

Nun denn, das ist ein Bild wo Blogger/Bloggerinnen doch aufschreien müssten, oder? Wo sind die Kooperationen, die Gemeinschaften mit anderen? Das Kreuzfeuer, das Kommentar-Gewitter, das Herzblut was man via Tastatur auf den Bildschirm hiefte, weil einen ein Thema so sehr beschäftigte, dass man schlaflose Nächte hatte. Wo ist die Intention dahinter? Wofür steht dieser noch junge Mensch & was will er/sie mit seinem/ihren Blog überhaupt be-wirken da draussen?

Hier mal die Fakten abseits von jeder vielleicht (noch) fehlenden Selbstreflektion auf die Dinge, die man so schreibt und tut:

Es entstehen täglich 120.000 neue Blogs (!) in Deutschland! Dies macht in jeder Sekunde 1,4 neue Blogs. Pro Tag werden demnach 1,5 Millionen Artikel veröffentlich- 17 an der Zahl in der Sekunde. Das ist schon eine Menge und sollte langsam beachtet werden. Wird es aber nicht- Klischee und Einheitsbrei, statt besonderes zu präsentieren….

Für viele Menschen wird sich anhand dieser zu simplen Darstellung auf Vox & Co. also einfach nicht (oder nie?) der Sinn eines Blogs erschliessen. Das ist schade. Punkt aus fertig.

Gehen wir einmal ab von „Auf und davon“ und wieder in die Werbebranche zurück, wo sich einmal mehr ein Image/ ein Blogger-Bild bestätigt:

Deutsche Blogger werden außen vor gelassen! Kein Wunder also, dass sich das Bloggen nicht besser etabliert & manifestiert in deutschen Köpfen:

Ein genialer Artikel dazu mit einem gelungenen Beispiel fand ich auf Fashion Insider mit dem tollen Titel „Hallo Panasonic, wir sind hier!“

Die Geschichte kurz erzählt: Das deutsche Unternehmen Panasonic (auch wenn es mittlerweile in der Slowakei produziert; die Fabrikanlage befindet sich aber in Bayern & die Softwareentwicklung in Offenbach lt. Wikipedia) suchte Blogger als Testimonials für Wärmepumpentrockner. Bei der  Kampagne von Panasonic entschied man sich aber für eine italienische Bloggerin. Nun gut- wir sind international, jeder kann sich auf jedem Markt bedienen- aber sollte man als großes deutsches Unternehmen nicht auch den „deutschen Blogger“ fördern & als Marketing-Waffe nutzen? Dann hätte man- wie hier- überhaupt nicht „synchronisieren“ müssen 🙂 :

Hierzulande wären also tatsächlich gute deutsche Blogger zu haben gewesen. Nun den… das Wörtchen „gewesen“ liegt in der Vergangenheit. Den Job bekam kein guter Blogger/gute Bloggerin hierzulande – er wurde out-gesourced! Da stellt man sich doch berechtigt einmal die Warum?- Frage! Weiter heisst es auf Fashion Insider dazu:

„Wenn man vom Bloggen leben kann, erlaubt es eine noch tiefere Hingabe und zeitliche Investition in Recherchen, Shootings und die Aufbereitung der Materialien.“

„In dem ihr deutsche Blogger übergeht, wird sich auch nichts daran ändern, daß ihr überteuerte Reichweiten im TV oder über Display Ads etc. einkaufen müsst, denn wachsen können wir nur zusammen.“

Genau das ist es auf den Punkt gebracht! Nicht mehr, nicht weniger. Wir Blogger-und Bloggerinnen wollen mehr Aufmerksamkeit in dieser Gesellschaft & einmal eine Darstellung, die auch wirklich dem echten bloggen gebührt!

Darüber hinaus reden wir doch immer von Gemeinschaft. Von einem über den Tellerrand blicken. Doch wo ist die Einheit, wenn es ums bloggen geht?

Da sind links die Einzelkämpfer, rechts die Breite-Mitschwimmer-Gleich-Poster-Masse und in der Mitte die paar „Freaks“, „Individualisten“ (alles lieb gemeint)- welche „ver-mitteln“ und den Umbruch erzielen wollen. Das kann man allerdings nur gemeinsam. Hier und da ein paar Bloggertreffen- geht da nicht mehr?

Ein neues, erfolgreiches Image für Blogger- nach denen sich die Firmen sehnen & sie irre gut bezahlen (weil sie irre-gut-schreiben) ! Ein Traum!- oder?

Klug und weise empfinde ich da die Gedanken der Bloggerin Jennifer Jäger auf Ihrem gleichnamigen Blog:

Meiner Meinung nach ist die Blogger-Szene leider total verfallen und verfolgt nicht mehr ihren eigentlichen Zweck. Irgendwie macht es mich traurig, dass es zwar einige Blogger gibt, die wirklich was zu sagen haben, aber dass diese Blogger niemand liest, weil Fashion-Blogs bekannter sind und manche Blogger durch gegenseitiges Verfolgen ihre Zahlen pushen.
Da frage ich mich schon: Warum, liebe Bloggerwelt?

Und ebenso ist dieses Zitat beachtlich ehrlich & wegweisend:

Blogger machen andere(, erfolgreichere) Blogger fertig. Fiese, anonyme Kommentare. Neid.
Weshalb? Warum habe ich das Gefühl, dass einige Fashion- auf Buch-Blogger herabsehen und diese wiederum den Sinn der Fashion-Blogger nicht verstehen?
Wieso traut sich keiner der Blogger mal über den eigenen Szenen-Tellerrand zu schauen? Weshalb sollte ein DIY-Blogger nicht mal eine Bücherrezension schreiben. Wieso darf eine Fashion-Bloggerin nur über Mode und nicht über die Gesellschaft schreiben?

Jeder Blogger sollte sich die Frage stellen: „Wofür blogge ich?“
Allein zum Spaß? – In Ordnung.
Für hohe Klickzahlen? – Meinetwegen.
Oder möchte ich wirklich jemanden erreichen? Sind meine Worte von Bedeutung und sollen sie auch als solche wahrgenommen werden?

Das Fazit vom Freizeitcafe nach unserer Bestandsaufnahme zum bloggen in Deutschland:

Deutsche Blogs sind (leider) noch in der Mottenkiste. Zu wenig beachtet, mit zu vielen Vor-Urteilen behaftet. Und wenn der Blog als solches mal und die Personen dahinter beleuchtet werden, geschieht dies nicht unbedingt repräsentativ oder im überwiegend positiven Sinne. Es fängt zwar langsam an für Vermarkter interessant zu werden, weil viele „Geldmacherei“ als Mittler zwischen Firmen & Bloggern sehen- doch was nützt das, wenn die Geschäfte dann doch lieber mit ausländischen Bloggern abgewickelt werden?  Da hilft es auch nicht, dass eine angesagte und tolle Bloggerin wie Anna Frost mal kurz 1-minütig auf RTL2 bei der Fashion-Week erwähnt wird.

Nun denn, das bloggen in Deutschland und vor allem die damit-verbundene Anerkennung braucht laut unserer Auswertung wohl noch etwas Zeit. Wie seht Ihr das ganze?