September 28, 2020

Die Digitalisierung macht auch vor Sexspielzeug nicht halt. Neue Protagonisten am Markt, neue Technologien und Trends wie Virtuelle Realität und Robotik sorgen für Innovationen.

Der Dildo, früher noch verschämt umschrieben als Massagestab oder sogar Gummikavalier, ist heute laut Studien fester Bestandteil der Schlafzimmerausstattung von 37% der Menschen in Deutschland. Was im Umkehrschluss bedeutet: Zwei Drittel der Bevölkerung besitzen noch kein Sexspielzeug. Die Hersteller und Händler sehen daher ein riesiges Wachstumspotenzial für ihre Branche. Jedes Jahr werden neue Innovationen am Markt eingeführt, erstaunlich, wo doch Masturbation eigentlich das Einfachste der Welt sein sollte. Dabei kann man die Leute ziemlich genau einteilen in die, die viele Sexspielzeuge besitzen und die, welche keine ihr Eigen nennen. Denn 30% der Männer und 25% der Frauen besitzen sogar mehr als vier Sextoys. Da stellt sich die Frage, was für Neuheiten kommen zur Zeit auf den Markt und warum ist die Nachfrage gerade so hoch?

 

Smart und Digital – Sexspielzeug im Jahr 2020

 

Die Anbieter übertreffen sich jedes Jahr auf Neue mit innovativen Produkten. Denn zum Beispiel die Vibratoren, eigentlich ein eher simples Produkt, werden ständig verbessert. Neue Materialien sorgen für eine noch angenehmere Verwöhnung und bieten außerdem eine tolle Optik und Haptik. Der Vibrator von heute schaltet sich bei Hautkontakt automatisch an, er ist leise, wasserdicht, spülmaschinenfest und verfügt über Vibrationsprogramme die sich langsam steigern, pulsierende Druckwellen verschaffen der Damenwelt angeblich Orgasmen in einer völlig neuen Intensität. Einige synchronisieren sich sogar mit abgespielter Musik und vibrieren im passenden Takt dazu. Selbstverständlich sind viele neue Sextoys digital vernetzt und werden bequem per Smartphone und Bluetooth bedient. Dabei lassen sich ausgewählte Modelle auch online über das Internet steuern, ein Traum für jede Fernbeziehung und gerade in Coronazeiten hilfreich für alle, die von ihren Liebsten isoliert sind. Oder man verwendet die ferngesteuerten kleinen Geräte um sich in der Öffentlichkeit, etwa im Restaurant, ganz verschmitzt ein wenig gegenseitig zu reizen.

 

Großkonzerne bleiben außen vor

 

Die neuesten Sextoys werden vermehrt auf der weltweit größten Messe für Consumer-Elektronik vorgestellt, der CES in Las Vegas. Jedes Jahr im Januar wartet die Fachwelt gespannt auf die vorgestellten Innovationen. Aber auch auf der Ifa in Berlin wird Sextech immer prominenter. Dabei sind überraschend viele Startups unter den ausstellenden Unternehmen, Konzerne trauen sich oftmals nicht so recht heran an das mit Vorurteilen besetzte Thema Sexualität. Unvergessen ist Panasonics Einstieg in die Vibratorenproduktion im Jahr 2009. Nur ein Jahr später war alles schon wieder vorbei, der Markt nahm die Produkte nicht an, die Manager hatten nicht das richtige Gespür. Da der sogenannte Sexual-Wellness-Markt allerdings mit durchschnittlich 13% pro Jahr wächst und aktuell bereits ein Volumen von 122 Milliarden US-Dollar hat, könnte sich dies in Zukunft noch ändern. In Deutschland jedenfalls etablieren sich immer mehr Startups im Bereich Sextech und beweisen den richtigen Riecher, was das Geschäft und die Kundenerwartungen angeht. Amorelie zum Beispiel, ein Onlineshop für alle Waren rund um Sex, wurde nach nur zwei Jahren an den Medienkonzern ProSiebenSat.1 verkauft und macht hohe zweistellige Millionenumsätze. Der ehemalige Finanzchef von Amorelie erwarb die Rechte am Vibrator Womanizer, einem der Bestseller von Amorelie, und gestaltet nun mit seinem Unternehmen Wow Tech maßgeblich die Zukunft der Sexspielzeug-Industrie. Naturgemäß sind viele Startups schnell wieder verschwunden aber doch einige überleben und wachsen nachhaltig. In der Gesamtbetrachtung kann angenommen werden, dass sich der Umgang mit dem Thema Sex eher lockert und liberalisiert, was auch eine Folge der leicht verfügbaren Pornographie sein mag. Die Sexspielzeug-Industrie ist daher vor allem eines: eine Branche auf Wachstumskurs.

 

Was dürfen wir noch erwarten?

 

Bislang war hier nur von Vibratoren die Rede, doch diese summenden Dildos sind lediglich die bekanntesten Vertreter ihrer Gattung. Vor allem für Männer kommen immer mehr sogenannter Masturbatoren auf den Markt. Wie der Name schon andeutet, handelt es sich dabei um Masturbationshilfen, die Männer in eine ganz neue Dimension der klassischen Selbstbefriedigung führen sollen. Warum auch sollte was für Frauen gut ist, sich nicht auch in der Männerwelt vermehrt durchsetzen? Dabei kommen die unterschiedlichsten Technologien zum Einsatz. Ausgangspunkt ist meist eine rohrartige Form, in der stimulierende Oberflächen verbaut sind. Manche nutzen gezielt Luft, um einen Unterdruck zu erzeugen. Andere vibrieren, ähnlich den Produkten für die Damen, während einige wiederum hoch entwickelt sind und über eine ausgeklügelte Elektromechanik verfügen. Am weitesten geht dabei wahrscheinlich der Autoblow A.I., eine um die 170€ teure Maschine, die angeblich den perfekten Blowjob simulieren kann. Unter den 10 einstellbaren Modi soll auch einer sein, der mit Hilfe einer Künstlichen Intelligenz entwickelt wurde und jedesmal anders ist, ganz wie in der Realität eben mit einem echten Menschen.

 

Sind Virtual Reality und Sexroboter die Zukunft?

 

Ein weiterer Trend der digitalisierten Sexualität sind filmische Inhalte, die mit Virtual Reality (VR) Brillen abgerufen werden können – der Betrachter fühlt sich ziemlich realistisch im Mittelpunkt des pornographischen Geschehens. Dabei gibt es nicht nur Filme die der Masturbation dienen, sondern auch vermehrt solche, die speziell für Partner entworfen wurden und eine ganz neue Form von Rollenspielen ermöglichen sollen. Heutzutage erleben solche Angebote einen großen Zulauf. Durch die Coronakrise wachsen nicht nur die Umsätze von Sextoy-Verkäufern, sondern die Kunden von physischem Sex bewegen sich zumindest zeitweise eher weg von Escort-Plattformen wie Erobella.com und begeben sich zum digitalen Streaming auf Porno- oder Camgirlseiten wie etwa PornHub. Eine andere Verhaltensänderung aus dem gleichen Grund, zeigt die wachsende Popularität von Sexpuppen oder sogar Sexrobotern. Während die einen solche Roboter für eine logische Konsequenz halten und darin nicht mehr als eine nette neue Form der Masturbationshilfe sehen, heben andere eine ganze Reihe von Kritikpunkten hervor. KritikerInnen befürchten das Anwachsen einer Entmenschlichung der Sexualität, sehen die Gefahr, dass etwa die sexuelle Objektivierung der Frau verstärkt wird. Möglicherweise könnten die Menschen eine von Liebe erfüllte Sexualität komplett verlernen, sich den Robotern anpassen und zurückbleiben als kalte Sexmaschinen. Diese Kritik ist nicht neu, doch sie gewinnt mehr und mehr an Relevanz durch die technologische Entwicklung. Aber viele neue Technologien werden von den einen gefeiert, von den anderen kritisiert, aufgehalten werden sie jedoch nur selten. Um etwas Ironie zu wagen kann daraus die Erkenntnis folgen, dass wir alle schnell nochmal masturbieren sollten, bevor es wieder als anstößig gelten könnte. Zumindest im Bereich Sexspielzeuge, gibt es heute so viel Auswahl wie noch nie.

Bildquelle: Pixabay by Karen Warfel

​Über den Autor

Christian Gera

​Ich blogge seit 2011 und bin bekannter ​Berufsblogger sowie Influencer, Hörbuchsprecher, Onlinedozent, Schriftsteller,Digitaler Produkte-Erschaffer&Onlinemarketing-Netzwerker. Mit Gemeinsam Wachsen habe ich eine Onlinemarketing Lernplattform aufgebaut, sowie mit Bloggerinterview.com die größte, automatisierte Interviewplattform gegründet.  Ich freue mich auf Ihre Anfrage- eine Leistungsübersicht finden Sie hier auf der Startseite.

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